Wir können auch anders

Unsere speziellen Freunde von Frontal 21 sendeten -”passend” und auch explizit so angekündigt- zum “Jahrestag” des Amoklaufes von Erfurt wieder einen vor den Gefahren der Computerspiele warnenden Beitrag. Weiterhin wird also ohne jegliche Rückendeckung durch Fakten impliziert, dass dem Spielekonsum des Täters ein entscheidender Teil der Schuld zuzuschreiben ist. Neu im Reigen der Experten ist diesmal Manfred Spitzer, der nach der Konfrontation mit aggressiven (und zweifellos abzulehnenden) e-mails (sic!) sich durch die früheren Beiträge zu Unrecht als potentiell Gestörte hingestellt sehender Spieler erstere gleich mal zu “realer Gewalt” erklärt. Kein Wunder, dass man so auf die folgende Aussage zusteuert:

Ein friedfertiger Mensch, der viel Videospiele spielt, ist am Ende gewaltbereiter als ein eher gewaltbereiter Mensch, der gar nichts spielt.

Aber eigentlich wollte ich auf diesen Beitrag gar nicht weiter eingehen, die wichtigsten Kritikpunkte sind hier schon ausführlich angesprochen wurden und die Vorwürfe werden letztlich immer nur repetiert. Lenken wir den Blick uns also lieber auf ein durchweg ausgewogenes bis positives Beispiel für die Auseinandersetzung mit Computerspielen. Das aktuelle NZZ-Folio 5/05 befasst sich ausführlich mit dem gesamten Themenkomplex, einige Dinge werden sicher für “Insider” nicht neu sein, aber interessant ist vor allem auch das Interview mit 5 bekannten Gamedesignern, u.a. Warren Spector sowie Cevat Yerli von CryTek.
Erschreckend (oder wahlweise Ausdruck gewöhnungsbedürftigen britischen Humors) ist dabei lediglich, dass Oberguru Peter Molyneux ausgerechnet Half Life 2 zu seinem Lieblingsspiel kürt…

Annalen 1508

(Fol. 24a)

1508

Litera dominicalis ist gewest A

Donnerstag ist gwest der tag S. Margarethae umb essens zeit in der x. stunde ist erfunden die mutter Burgermeisters Michaelis Range tot und jemmerlich erhangen.
Am tag Misericordias domini ist gelet der erschte grundstein der Kirchen parvothen ordens.
Privilegia und Freiheiten der belenthen prister zu Zwigkau so ir einer aus der zeit mit tode vorfhil, das ehr den gebürlichen teil seiner zins, die er erlebt hat, nicht seinen nachkummling, sunder in zu guth gefordert solten werden, welchs ist contra ius commune.

(Fol. 24b)

1508

Sonnabent nach aller heiligen hat meister Jorge Schmidt, ein zimmerman, die Schlosmuel alhier mit 9 gengen, ganghaftig fertig gemacht.

(tag S. Margarethae = 13. Juli
tag Misericordias domini = 7. Mai
Sonnabent nach aller heiligen = 4. November)

Gracias Amigo

Nachdem bereits Guildo Horn und Stefan Raab in den letzten Jahren den alten und ehrwürdigen, eigentlich längst zur Erbmasse des (nur alten) Schlagerzombies Ralf Siegel gezählten Grand Prix in den Blickpunkt eigentlich zielgruppenferner Schichten brachten, wird die einzige live und europaweit ausgestrahlte Dokumentation nationaler Animositäten gegenüber Nachbarländern in diesen Tagen auf eine etwas andere Art aufgemischt. David Brandes, der Produzent Gracia Bauers, Siegerin des deutschen Vorentscheides, soll seine eigenen CDs aufgekauft haben, um den Song mit dem programmatischen Titel „Run and Hide“ in die Charts zu hieven. Durch einige Restrukturierungen in den letzten Jahren sind dafür inzwischen keine allzu astronomischen Verkaufszahlen mehr nötig, wodurch inzwischen auch regelmäßig Black- und Death Metal-Bands zu Chartsehren kommen. Gleichzeitig wirken die Notierungen aber auch als Werbemittel, daher liegt eine entsprechende Manipulation durchaus nahe. Natürlich muss dies für die Musikbranche, die wie keine andere von ihrem Ruf der Anständigkeit und Fairness lebt, um das alleinige Ziel, die aus reinem Altruismus vorangetriebene kulturelle Weiterentwicklung der Nation durch Förderung ihrer kreativsten Köpfe (Dieter Bohlen, Hansi Hinterseer) zu erreichen, wie ein Schock wirken. Da erdreistet sich Brandes außerdem noch, zu seiner Verteidigung einfach zu behaupten, dieses Vorgehen, anhand von „Testkäufen“ die „Verfügbarkeit“ der eigenen Produkte zu überprüfen, wäre durchaus nicht unüblich. Eine schwere Anschuldigung gegen die sich gerade in einem heldenhaften und völlig unverschuldeten Abwehrkampf gegen die Musikpiraterie befindlichen Musikindustrie. Zum Glück hat sie dennoch einige wenige verlässliche Mitstreiter, wie u.a. Media Control, Ermittler der diversen deutschen Charts, die schon vor dem Gracia-Fall erkannte Manipulationen von Brandes-Titeln offenbar stillschweigend aus selbigen herausrechneten, was Brandes` Darstellung nicht gerade erschüttert. Nun kommt aber noch hinzu, dass allein eben diese Chartplatzierung dem Song überhaupt die Teilnahme am Grand Prix ermöglichte, dessen deutsches Organisatoren aber natürlich trotzdem nicht daran denken, den Titel zurückzuziehen. Außerdem hat Brandes bei genauerer Betrachtung noch einige Dinge mehr auf dem Kerbholz. Zu den möglichen Vorwürfen zählen dabei unter anderem Vergewaltigung (von Pop-Klassikern durch Truppen wie Virus Incorporation), Einschleusen osteuropäischer und zum Teil minderjähriger Mädchen (Vanilla Ninja) zum Zwecke der gewerbsmäßigen Ausbeutung ihrer Körper (das musikalische Talent kann es zumindest nicht sein) oder auch der gezielten Volksverdummung („Dont have Sex with your Ex“). Mein Strafvorschlag: 6 Monate bei Wasser, Brot und täglich 24 Stunden Slayer.

Annalen 1507

(Fol. 22a)

1507

Ist der wirdig Her Jacoff Mochwitz, zu Kirchberg ein Capallan gewest, erschlagen gleich den achten tag Joannis des Evangelisten. Umb welchs willen ist gelegt wurden interdict, welchs aich alhie den achten tag nach epiphania ist angehoben, und aufgenummen den nechsten Sontag darnach fru.
Am Sontag, den man nent vocem jucunditatis, ist vorschiden der Abt von Grünhayn Paulus Morgenstern, gewest ein Kind diser stadt.
Am Sontag Cantate ist vorschiden der alt her von Weyda und zu seinem begrebniß durch Zwigkau gefurth wurden.
Am achten tag Corporis Christi ist Pilsna jemmerlich meher dan halb vortorben feuers halben, welchs angezundt ist wurden durch di schhüler.

(den achten tag Joannis des Evangelisten = 3. Januar
den achten tag nach epiphania = 13. Januar
vocem jucunditatis = 9. Mai
Sontag Cantate = 2.Mai
achten tag Corporis Christi = 10. Juni)

(Fol. 22b)

1507

Am freitag nach der Himmelfarth, den tag des Mai, Ist der Her von Weyda, ein bruder des alden, neulich oben gemelt, aus befel unser hochgeborenen Fursten gefenglich angenummen wurden alhie zu Zwigkau, Welchs von wegen Burgermeisterlichen Ampts Michel Rang vorant hat

Am iiij tag des Wrachmonds ist vorschiden der wirdig her Matthias Hering.

Am dinstag Urbani ist vorschiden Her Jacoff Schram, pfarrer zu Stangengrün, ein sunderlicher freund der Zwigkauer.

Am pfingstag haben angefangen zu sterwen übertrefflich ser di schweine und gewert eczlich zeit.

(Fol. 23a)

Am freitag nach Magdalenae sein bei hundert heuser ausgebrant zu der Neumburg.

An der Mitwoch nach Jacobi mher dan hundert heuser sein abgebrant zum Hoffe.

Ein genant mit dem zunamen Schörge ist wurden ein feint unserer gne: Herrn nach Michaelis.

Herr Rudolf von der Pleunitz, Ritter, hat gebauet einen rechen über die mulde vor die mül Cainsdorf, welchen ein Erbar Radt diser stadt widerumb hat lassen in grund zureissen. Aldo bewessentlich vorsamlet mit gewapneter hand, uff das dz floßholz ungehindert uff den wasser gefurdert wurde, geschehen den Dornstag nach aller heiligen.

(dinstag Urbani = 25. Mai
pfingstag = 23. Mai
freitag nach Magdalenae = 23. Juli
Mitwoch nach Jacobi = 28. Juni
Dornstag nach aller heiligen = 4. November)

(Fol. 23b)

1507

Sontag nach Bonifacii, dz ist der sechste tag des Brachmonds, ist gelegt wurden der erschte gruntstein durch Erwürdigen in got vater Herrn Bischof Johannem Millenensem der Capellen unser liben frauen in der Töpfer gassen.

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