Annalen 1508

(Fol. 24a)

1508

Litera dominicalis ist gewest A

Donnerstag ist gwest der tag S. Margarethae umb essens zeit in der x. stunde ist erfunden die mutter Burgermeisters Michaelis Range tot und jemmerlich erhangen.
Am tag Misericordias domini ist gelet der erschte grundstein der Kirchen parvothen ordens.
Privilegia und Freiheiten der belenthen prister zu Zwigkau so ir einer aus der zeit mit tode vorfhil, das ehr den gebürlichen teil seiner zins, die er erlebt hat, nicht seinen nachkummling, sunder in zu guth gefordert solten werden, welchs ist contra ius commune.

(Fol. 24b)

1508

Sonnabent nach aller heiligen hat meister Jorge Schmidt, ein zimmerman, die Schlosmuel alhier mit 9 gengen, ganghaftig fertig gemacht.

(tag S. Margarethae = 13. Juli
tag Misericordias domini = 7. Mai
Sonnabent nach aller heiligen = 4. November)

Gracias Amigo

Nachdem bereits Guildo Horn und Stefan Raab in den letzten Jahren den alten und ehrwürdigen, eigentlich längst zur Erbmasse des (nur alten) Schlagerzombies Ralf Siegel gezählten Grand Prix in den Blickpunkt eigentlich zielgruppenferner Schichten brachten, wird die einzige live und europaweit ausgestrahlte Dokumentation nationaler Animositäten gegenüber Nachbarländern in diesen Tagen auf eine etwas andere Art aufgemischt. David Brandes, der Produzent Gracia Bauers, Siegerin des deutschen Vorentscheides, soll seine eigenen CDs aufgekauft haben, um den Song mit dem programmatischen Titel „Run and Hide“ in die Charts zu hieven. Durch einige Restrukturierungen in den letzten Jahren sind dafür inzwischen keine allzu astronomischen Verkaufszahlen mehr nötig, wodurch inzwischen auch regelmäßig Black- und Death Metal-Bands zu Chartsehren kommen. Gleichzeitig wirken die Notierungen aber auch als Werbemittel, daher liegt eine entsprechende Manipulation durchaus nahe. Natürlich muss dies für die Musikbranche, die wie keine andere von ihrem Ruf der Anständigkeit und Fairness lebt, um das alleinige Ziel, die aus reinem Altruismus vorangetriebene kulturelle Weiterentwicklung der Nation durch Förderung ihrer kreativsten Köpfe (Dieter Bohlen, Hansi Hinterseer) zu erreichen, wie ein Schock wirken. Da erdreistet sich Brandes außerdem noch, zu seiner Verteidigung einfach zu behaupten, dieses Vorgehen, anhand von „Testkäufen“ die „Verfügbarkeit“ der eigenen Produkte zu überprüfen, wäre durchaus nicht unüblich. Eine schwere Anschuldigung gegen die sich gerade in einem heldenhaften und völlig unverschuldeten Abwehrkampf gegen die Musikpiraterie befindlichen Musikindustrie. Zum Glück hat sie dennoch einige wenige verlässliche Mitstreiter, wie u.a. Media Control, Ermittler der diversen deutschen Charts, die schon vor dem Gracia-Fall erkannte Manipulationen von Brandes-Titeln offenbar stillschweigend aus selbigen herausrechneten, was Brandes` Darstellung nicht gerade erschüttert. Nun kommt aber noch hinzu, dass allein eben diese Chartplatzierung dem Song überhaupt die Teilnahme am Grand Prix ermöglichte, dessen deutsches Organisatoren aber natürlich trotzdem nicht daran denken, den Titel zurückzuziehen. Außerdem hat Brandes bei genauerer Betrachtung noch einige Dinge mehr auf dem Kerbholz. Zu den möglichen Vorwürfen zählen dabei unter anderem Vergewaltigung (von Pop-Klassikern durch Truppen wie Virus Incorporation), Einschleusen osteuropäischer und zum Teil minderjähriger Mädchen (Vanilla Ninja) zum Zwecke der gewerbsmäßigen Ausbeutung ihrer Körper (das musikalische Talent kann es zumindest nicht sein) oder auch der gezielten Volksverdummung („Dont have Sex with your Ex“). Mein Strafvorschlag: 6 Monate bei Wasser, Brot und täglich 24 Stunden Slayer.

Annalen 1507

(Fol. 22a)

1507

Ist der wirdig Her Jacoff Mochwitz, zu Kirchberg ein Capallan gewest, erschlagen gleich den achten tag Joannis des Evangelisten. Umb welchs willen ist gelegt wurden interdict, welchs aich alhie den achten tag nach epiphania ist angehoben, und aufgenummen den nechsten Sontag darnach fru.
Am Sontag, den man nent vocem jucunditatis, ist vorschiden der Abt von Grünhayn Paulus Morgenstern, gewest ein Kind diser stadt.
Am Sontag Cantate ist vorschiden der alt her von Weyda und zu seinem begrebniß durch Zwigkau gefurth wurden.
Am achten tag Corporis Christi ist Pilsna jemmerlich meher dan halb vortorben feuers halben, welchs angezundt ist wurden durch di schhüler.

(den achten tag Joannis des Evangelisten = 3. Januar
den achten tag nach epiphania = 13. Januar
vocem jucunditatis = 9. Mai
Sontag Cantate = 2.Mai
achten tag Corporis Christi = 10. Juni)

(Fol. 22b)

1507

Am freitag nach der Himmelfarth, den tag des Mai, Ist der Her von Weyda, ein bruder des alden, neulich oben gemelt, aus befel unser hochgeborenen Fursten gefenglich angenummen wurden alhie zu Zwigkau, Welchs von wegen Burgermeisterlichen Ampts Michel Rang vorant hat

Am iiij tag des Wrachmonds ist vorschiden der wirdig her Matthias Hering.

Am dinstag Urbani ist vorschiden Her Jacoff Schram, pfarrer zu Stangengrün, ein sunderlicher freund der Zwigkauer.

Am pfingstag haben angefangen zu sterwen übertrefflich ser di schweine und gewert eczlich zeit.

(Fol. 23a)

Am freitag nach Magdalenae sein bei hundert heuser ausgebrant zu der Neumburg.

An der Mitwoch nach Jacobi mher dan hundert heuser sein abgebrant zum Hoffe.

Ein genant mit dem zunamen Schörge ist wurden ein feint unserer gne: Herrn nach Michaelis.

Herr Rudolf von der Pleunitz, Ritter, hat gebauet einen rechen über die mulde vor die mül Cainsdorf, welchen ein Erbar Radt diser stadt widerumb hat lassen in grund zureissen. Aldo bewessentlich vorsamlet mit gewapneter hand, uff das dz floßholz ungehindert uff den wasser gefurdert wurde, geschehen den Dornstag nach aller heiligen.

(dinstag Urbani = 25. Mai
pfingstag = 23. Mai
freitag nach Magdalenae = 23. Juli
Mitwoch nach Jacobi = 28. Juni
Dornstag nach aller heiligen = 4. November)

(Fol. 23b)

1507

Sontag nach Bonifacii, dz ist der sechste tag des Brachmonds, ist gelegt wurden der erschte gruntstein durch Erwürdigen in got vater Herrn Bischof Johannem Millenensem der Capellen unser liben frauen in der Töpfer gassen.

Der immer noch zweifelhafte Stellvertreter

Noch immer ist die – wenn auch nicht sehr ausführlich geführte – Debatte um das in einem anderen Beitrag ausführlich diskutierte Interview von Rolf Hochhuth in der Jungen Freiheit nicht ganz abgeklungen. Seltsamerweise wird sie aber immer noch weitgehend jenseits der tatsächlichen – widersprüchlichen – Aussagen und einer inhaltlichen Auseinandersetzung damit geführt. Ein weiteres prominentes – und trauriges – Beispiel dafür bietet die nunmehr publizierte „Entschuldigung“ von Ralph Giordano an Hochhuth, den Ersterer im Februar noch wegen besagten Interviews vehement angegriffen hatte. Allerdings hatte Giordano, wie er in seiner neuesten Wortmeldung zugibt, das Interview nicht mal komplett gelesen und behauptet außerdem, dass dies auf „die meisten“ anderen Kritiker ebenfalls zutreffen würde, die alle nur die Passage betreffend Irving kannten. Das wäre schon befremdlich genug und kein Zeichen für ausreichende Beschäftigung mit einem Thema, einige weitere Äußerungen lassen aber immer noch daran zweifeln, ob Giordano tatsächlich das Interview gelesen und/oder verstanden hat. So bei seiner Aufzählung der „positiven“ Aussagen Hochhuths, zu denen er beispielsweise rechnet:„Bekenntnis zur Kollektivschuld der damaligen Deutschen, ohne Wenn und Aber“
Hochhuth hat sich zwar als „absoluten Anhänger der Kollektivschuldthese“ bezeichnet, aber nirgendwo gesagt, dass er damit die damaligen Deutschen meint. Das ist in diesem Kontext mehr als Wortklauberei, denn die Behauptung der Rechten ist ja gerade, dass „etablierte Kreise“ eine Kollektivschuld ALLER Deutschen, also auch der heute lebenden vertreten und die JF-Redakteure wollten sichtlich zu Hochhuth zu einer Bestätigung dieser Aussage „verführen“. Weiterhin findet Giordano die direkte Verknüpfung zwischen der Vernichtung der Juden und den Bombenangriffen auf deutsche Städte („Dresden ohne Auschwitz nicht möglich“) wichtig, die vielleicht moralisch, historisch aber kaum nachzuvollziehen ist. Unerwähnt bleiben dabei weiterhin eine ganze Reihe anderer strittiger Aussagen Hochhuths (Irving als Halbjude, Ermordung Sikorskis durch Churchill et.cet.) und die grundsätzlichen Zweifel an der Darstellung Hochhuths, er hätte überhaupt keine Ahnung von Irvings Ansichten zu Juden (siehe dazu den Ausschnitt aus der Korrespondenz mit Golo Mann) oder dem Holocaust, obwohl Irving dies seit Jahrzehnten vertritt und die ganze Zeit Kontakt bestand, laut Irving (und auch Hochhuth bestätigte dies im Interview) ein gemeinsamer Auftritt in Dresden im Februar zum Jahrestag des Angriffes geplant war [a]. Irvings Umgang mit Quellen lässt sich auch passend an seiner Interpretation eines Artikels von Eva Menasse in der FAZ ablesen, die Hochhuth darin faktisch verteidigte, was Irving angesichts der Tatsachen, dass sie erstens Jüdin und zweitens über seinen Prozess in London geschrieben hat, als Angriff auf Hochhuth hinstellt [b].
Es bleibt also dabei, dass eine wirklich fundamentale und grundlegende Auseinandersetzung mit den Aussagen Hochhuths in der Öffentlichkeit nicht vorliegt. Zensur seiner Werke auf der Basis von nicht vorhandenen Einwänden anderer Autoren (wie es sein Verlag offenbar vorhatte) ist sicher nicht beabsichtigt, wenn man eine solche den Fakten angemessene Debatte einfordert. Die Tatsache, dass Hochhuth sehr viele widersprüchliche Dinge, darunter auch, was nie bestritten wurde, Richtiges gesagt hat, scheint immer noch die meisten Kommentatoren zu überfordern. Man sollte natürlich die Bedeutung dieses Interviews nicht ins Mythologische überhöhen, aber das Licht, das hierbei auf die Qualität feuilletonistischer Auseinandersetzungen geworfen wird, ist doch ein ziemlich trübes.

[a] http://***.fpp.co.uk/online/05/02/Hochhuth_4.html
[b] http://***.fpp.co.uk/online/05/03/Hochhuth_7.html

Annalen 1506

(Fol. 20a)

1506

Universitet der stadt Franckfurt ist ufkummen.

(Fol. 20b)

1506

Ist das fundament der seiten, wo ist die Capell des heiligen Creuzes erstlich gelegt wurden in der Kirchen unser liben frauen am Sontag Exaudi, das ist gewest am tag der Merterer Gervasii und Protasii.
Auch in dem Jar sein die Dratmül und walkmül, bei dem Tennich gebauet wurden.
Des Nesthen Jars zuvor ist gebauet wurden die Harnisch mül.
In dem Jar sein auch 3 brende erstanden Bomberg, Mögelin und Scherwitz.

(Sontag Exaudi = 24. Mai)

(Fol. 21a)

1506

Haben sich erhoben sulche gewisser alhie zu Zwikkau, alzo das man es in di Capellen Margarethae alzo erwachsen ist, das auch der pfarrer umb besorg das sacrament nicht in seiner behausung hat wollen vortreuen.
Fer. 6ta den sibende tag des Augstmondes vor Laurenti hie zu Zwigkau ist warhaftig nicht wie man sunst wanet, ein Mechtiger grosser und sher schedlicher Comet gesehen wurden wunderlicher farbe, welcher nach der natur der selbigen hat etzlich nacht gestanden an einem orth zwuschen den ufgang und mittag, Nach welchen kuzlich vil krig und andere schaden sich haben erhaben der pestilenz und viler tod wi volget.

(Fol. 21b)

1506

Am tag Augustini Hanß Jacoff der alde seiliger gedechniß, ein geschworner Radtsfreund di zeit auch kirchvater gewest zu unser lieben Frauen, welcher zu einer zeit uffs felt seiner schwegerin zu besichtigen gegangen, Ist im ein bauer von Schoenfels mit trunkenheit beladen begegnet. Und di weil er was ein scherzhaftig man, er denselbigen mit lachenden mut anredet, welchs der voll ungestüm mit zorn vornam, widerumb in die stadt ging und zu in vorpunde einen andern pauren. Welche so si in uff den felde überquamen seiner schwegerin, grimmiglichen mit peilen und messern tödlichen verbunthen. Und als dan, wo si nuhn den schaden vorbrachten, sein geflogen. Und di weil er war ein alt betagt man, ist er also uff ebener stadt tod vorbliben und entlich in sein behausung tod kein obent gebracht, dem got gnade.
Umb das fest Michaelis hat angefangen zu regiren di pestilenz hi zu Zwigkau und hat gewert über der massen, wi itz, so man schreibet 1521 ein tag 4:5:6:7:8:9:10 uffs meist. Welcher winter als bei menschen gedenckniß ser warm ist gewest, der gleichen zuvor nimand gedenkt.
Eodem anno zu Zeitz Neumburg, Aldemburg und andern beiligenden schteten serrer dan allhi regniret.

(tag Augustini = 28. August)
(Randbemerkung: Quare de eo merito illud Satyrcei dicunt: Diis ille adversis genitus fatoque sinistro.)

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