Der immer noch zweifelhafte Stellvertreter

Noch immer ist die – wenn auch nicht sehr ausführlich geführte – Debatte um das in einem anderen Beitrag ausführlich diskutierte Interview von Rolf Hochhuth in der Jungen Freiheit nicht ganz abgeklungen. Seltsamerweise wird sie aber immer noch weitgehend jenseits der tatsächlichen – widersprüchlichen – Aussagen und einer inhaltlichen Auseinandersetzung damit geführt. Ein weiteres prominentes – und trauriges – Beispiel dafür bietet die nunmehr publizierte „Entschuldigung“ von Ralph Giordano an Hochhuth, den Ersterer im Februar noch wegen besagten Interviews vehement angegriffen hatte. Allerdings hatte Giordano, wie er in seiner neuesten Wortmeldung zugibt, das Interview nicht mal komplett gelesen und behauptet außerdem, dass dies auf „die meisten“ anderen Kritiker ebenfalls zutreffen würde, die alle nur die Passage betreffend Irving kannten. Das wäre schon befremdlich genug und kein Zeichen für ausreichende Beschäftigung mit einem Thema, einige weitere Äußerungen lassen aber immer noch daran zweifeln, ob Giordano tatsächlich das Interview gelesen und/oder verstanden hat. So bei seiner Aufzählung der „positiven“ Aussagen Hochhuths, zu denen er beispielsweise rechnet:„Bekenntnis zur Kollektivschuld der damaligen Deutschen, ohne Wenn und Aber“
Hochhuth hat sich zwar als „absoluten Anhänger der Kollektivschuldthese“ bezeichnet, aber nirgendwo gesagt, dass er damit die damaligen Deutschen meint. Das ist in diesem Kontext mehr als Wortklauberei, denn die Behauptung der Rechten ist ja gerade, dass „etablierte Kreise“ eine Kollektivschuld ALLER Deutschen, also auch der heute lebenden vertreten und die JF-Redakteure wollten sichtlich zu Hochhuth zu einer Bestätigung dieser Aussage „verführen“. Weiterhin findet Giordano die direkte Verknüpfung zwischen der Vernichtung der Juden und den Bombenangriffen auf deutsche Städte („Dresden ohne Auschwitz nicht möglich“) wichtig, die vielleicht moralisch, historisch aber kaum nachzuvollziehen ist. Unerwähnt bleiben dabei weiterhin eine ganze Reihe anderer strittiger Aussagen Hochhuths (Irving als Halbjude, Ermordung Sikorskis durch Churchill et.cet.) und die grundsätzlichen Zweifel an der Darstellung Hochhuths, er hätte überhaupt keine Ahnung von Irvings Ansichten zu Juden (siehe dazu den Ausschnitt aus der Korrespondenz mit Golo Mann) oder dem Holocaust, obwohl Irving dies seit Jahrzehnten vertritt und die ganze Zeit Kontakt bestand, laut Irving (und auch Hochhuth bestätigte dies im Interview) ein gemeinsamer Auftritt in Dresden im Februar zum Jahrestag des Angriffes geplant war [a]. Irvings Umgang mit Quellen lässt sich auch passend an seiner Interpretation eines Artikels von Eva Menasse in der FAZ ablesen, die Hochhuth darin faktisch verteidigte, was Irving angesichts der Tatsachen, dass sie erstens Jüdin und zweitens über seinen Prozess in London geschrieben hat, als Angriff auf Hochhuth hinstellt [b].
Es bleibt also dabei, dass eine wirklich fundamentale und grundlegende Auseinandersetzung mit den Aussagen Hochhuths in der Öffentlichkeit nicht vorliegt. Zensur seiner Werke auf der Basis von nicht vorhandenen Einwänden anderer Autoren (wie es sein Verlag offenbar vorhatte) ist sicher nicht beabsichtigt, wenn man eine solche den Fakten angemessene Debatte einfordert. Die Tatsache, dass Hochhuth sehr viele widersprüchliche Dinge, darunter auch, was nie bestritten wurde, Richtiges gesagt hat, scheint immer noch die meisten Kommentatoren zu überfordern. Man sollte natürlich die Bedeutung dieses Interviews nicht ins Mythologische überhöhen, aber das Licht, das hierbei auf die Qualität feuilletonistischer Auseinandersetzungen geworfen wird, ist doch ein ziemlich trübes.

[a] http://***.fpp.co.uk/online/05/02/Hochhuth_4.html
[b] http://***.fpp.co.uk/online/05/03/Hochhuth_7.html

Annalen 1506

(Fol. 20a)

1506

Universitet der stadt Franckfurt ist ufkummen.

(Fol. 20b)

1506

Ist das fundament der seiten, wo ist die Capell des heiligen Creuzes erstlich gelegt wurden in der Kirchen unser liben frauen am Sontag Exaudi, das ist gewest am tag der Merterer Gervasii und Protasii.
Auch in dem Jar sein die Dratmül und walkmül, bei dem Tennich gebauet wurden.
Des Nesthen Jars zuvor ist gebauet wurden die Harnisch mül.
In dem Jar sein auch 3 brende erstanden Bomberg, Mögelin und Scherwitz.

(Sontag Exaudi = 24. Mai)

(Fol. 21a)

1506

Haben sich erhoben sulche gewisser alhie zu Zwikkau, alzo das man es in di Capellen Margarethae alzo erwachsen ist, das auch der pfarrer umb besorg das sacrament nicht in seiner behausung hat wollen vortreuen.
Fer. 6ta den sibende tag des Augstmondes vor Laurenti hie zu Zwigkau ist warhaftig nicht wie man sunst wanet, ein Mechtiger grosser und sher schedlicher Comet gesehen wurden wunderlicher farbe, welcher nach der natur der selbigen hat etzlich nacht gestanden an einem orth zwuschen den ufgang und mittag, Nach welchen kuzlich vil krig und andere schaden sich haben erhaben der pestilenz und viler tod wi volget.

(Fol. 21b)

1506

Am tag Augustini Hanß Jacoff der alde seiliger gedechniß, ein geschworner Radtsfreund di zeit auch kirchvater gewest zu unser lieben Frauen, welcher zu einer zeit uffs felt seiner schwegerin zu besichtigen gegangen, Ist im ein bauer von Schoenfels mit trunkenheit beladen begegnet. Und di weil er was ein scherzhaftig man, er denselbigen mit lachenden mut anredet, welchs der voll ungestüm mit zorn vornam, widerumb in die stadt ging und zu in vorpunde einen andern pauren. Welche so si in uff den felde überquamen seiner schwegerin, grimmiglichen mit peilen und messern tödlichen verbunthen. Und als dan, wo si nuhn den schaden vorbrachten, sein geflogen. Und di weil er war ein alt betagt man, ist er also uff ebener stadt tod vorbliben und entlich in sein behausung tod kein obent gebracht, dem got gnade.
Umb das fest Michaelis hat angefangen zu regiren di pestilenz hi zu Zwigkau und hat gewert über der massen, wi itz, so man schreibet 1521 ein tag 4:5:6:7:8:9:10 uffs meist. Welcher winter als bei menschen gedenckniß ser warm ist gewest, der gleichen zuvor nimand gedenkt.
Eodem anno zu Zeitz Neumburg, Aldemburg und andern beiligenden schteten serrer dan allhi regniret.

(tag Augustini = 28. August)
(Randbemerkung: Quare de eo merito illud Satyrcei dicunt: Diis ille adversis genitus fatoque sinistro.)

Lesenswert

Der normale Literaturkritiker reagiert stinkig, wenn er sich unterhalten fühlt. Wenn er nicht nach Strich und Faden dumm- und krummgelangweilt wird, kann er Texte nicht ernst nehmen.

So Harry Rowohlt im Interview in der Zeit. Überhaupt äußerst lesenswert, nicht nur wegen des genannten Zitats.

»Streit um "Sakrileg"-Boykott weitet sich aus«

Da das Yablo seit geraumer Zeit Leser von Google hat, die über Suchanfragen zu »Verbot«, »Boykott«, »Sakrileg« und »Dan Brown« hierher gefunden haben und ich heute bei sternshortnews auch noch etwas darüber gelesen habe, möchte ich folgendes wiederholen:

Mir ist es immer noch unbegreiflich, wie ein Buch, das sich nur dadurch auszeichnet sich grammatikalisch korrekt in schneller Folge von Cliffhanger zu Cliffhanger zu hangeln, so viel Aufsehen machen und haben kann. Die ganze »antikatholische« Hintergundstory (eigentlich sind es mehrere) ist weder neu noch originell und schon gar nicht kreativ.

Eine Empfehlung: Wer einen spannenden und intelligenten Thriller lesen will, der auch zu Recht in den Bestsellerlisten steht, der sollte sich »Der Schwarm« von Frank Schätzing anschauen.

Aktuelle Screenshots

Es wird Zeit für ein paar aktuelle Scrennshots:

Screenshot Desktop vom 17.03.05

Screenshot Full vom 17.03.05

Das Hintergrundbild ist leicht abgeändert und hab’ ich, ebenso wie die »Ohh, sind die niedlich!«-Icons, von Tux’n’tosh (Flashalarm!). Der Systemmonitor links ist das Superkaramba -theme UberMon 1.0. Die Systemnachrichten im oberen Teil sind ebenfalls ein Superkaramba-theme; nämlich ein tail der letzten 7 Zeilen aus der messages.log. Der Schnellstarterersatz neben dem Rest vom Kicker ist auch theme für Superkaramba; hier: Skroller M.i.l.y 0.1.
Ansonsten erscheinen Kopete, der Konqueror und die Konsole im Baghira-theme.

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