Hire or Fire

John de Mol sucht für seine TV-Firma einen Creative Director. Nach so vielen Jahren im Geschäft kommt das nun doch reichlich spät, möchte man meinen. Soll das etwa heißen, die Zukunft von endemol bestünde nicht mehr im Recyclen von im Ausland entdeckten Formaten für den deutschen Markt und der damit verbundenen Etablierung diverser intellektueller Wracks als Pseudostars? Wäre das -natürlich ebenfalls importierte- Hire or Fire also eine Art Fanal, nach dem plötzlich die Kreativität im deutschen TV-Business ausbrechen würde? Diese Gefahr besteht wahrscheinlich kaum, wenn die angeblich aus Tausenden ausgewählten 10 Kandidaten tatsächlich die Besten auf ihrem Gebiet sein sollen. Vielmehr handelt es sich um eine Art Yuppie-Big-Brother, stilecht im Loft stattfindend und mit den üblichen Zutaten versehen. Mehr als Kompetenz zählt, dass die Kandidaten gegensätzliche Charaktere darstellen (sollen), um so Konflikte zu forcieren, die natürlich durch die bei der Vergabe des besten Jobs der Welt (bei 300 000 Euro Jahresverdienst mit Dienstwagen und Assistent durch die Gegend kutschieren, während im Keller 20 Soziologie-Studenten mit geröteten Augen ausländische Sender nach verwertbarem Material durchforsten) notwendigen "Challenges" sowieso entstehen sollen.

Die wichtigste Gemeinsamkeit aller Teilnehmer besteht darin, dass sie bei jedem zweiten Satz betonen müssen, sie wären die perfekte Wahl für diesen Posten. Ansonsten trifft der nette farbige Quoten-Ossi auf den Sprößling der Volksmusik-Terroristen Judith und Mel, die alle Kunden ukrainischer Mädchenhändlerringe optisch sicher befriedigende Osteuropäerin und den sich als besonders arrogantes Arschloch zu verkaufen suchenden Glatzkopf. Der rassige Italiener und die den IQ einer Scheibe Gouda kaum erreichende, aber in einem kurzen Abendkleid sicher lecker aussehende Landsmännin von DJ-Ötzi runden mit einer sich als kamerageile Bilderbuch-Zicke gebärdenden Blondine das Bild der sich natürlich allein durch ihre überragenden Fähigkeiten Qualifizierten stilecht ab.

Grundvoraussetzung für die Einstellung bei endemol ist offenbar, dass man nicht schlauer als der mit einem holländischen Realschulabschluss gesegnete Chef und auch nicht wesentlich witziger sein darf. Das sind natürlich für einen Großteil der Bewerber nur schwer zu nehmende Hürden. Es könnte ja unter ihnen jemand sein, der nicht die ewige Variation des BB-Konzeptes als einzig akzeptables Showformat ansieht. Oder gar auf reißerische Erzeugung von Emotionen inklusive Closeups auf die Gesichter der gleich von der Jury kritisierten Teilnehmer und die Inszenierung des Abgangs durch wimmernde Geigen, die dem Ganzen einen Hauch Tragik verleihen und kaschieren sollen, dass der Betreffende eher froh sein sollte, diesem Schwachsinn entkommen zu sein, verzichten wollte. Apropos Jury, auch hier macht sich natürlich geballte Kompetenz breit. Wer sollte über die Zukunft der TV-Unterhaltung auch besser befinden können als der Manager von Verona Feldbusch und das Dschungelfossil Caroline Beil, die immerhin im Gegensatz zu ihren beiden Kollegen mehrere deutsche Sätze hintereinander unfallfrei fomulieren kann. So sieht also eine Schnellschuss-Eindeutschung der in Amerika sehr erfolgreichen Show "The Apprentice" aus, bei der Donald Trump ebenfalls diverse Bewerber auf Tauglichkeit (wofür auch immer) testete. Bevor bei RTL die offizielle Version mit Reiner Calmund anläuft, musste daher Pro7 fix einige Wochen vorher die Kopie der Kopie auf die Bildschirme bringen. Der Traumjob des Creative Director erschöpft sich demnach offenbar darin, schneller als die Konkurrenz ein nachgemachtes Konzept auf noch niedrigerem Niveau und mit schlechteren Knallchargen besetzt auf die TV-Zuschauer loszulassen.

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