Embedded Journalist im Geschlechterkrieg

Eine überaus interessante Erklärung für das Scheitern der eigentlich-nicht-wirklich-aber-irgendwie-dann-zwangsläufig- doch-Nachfolgerin von Harald Schmidt auf Sendeplatz und Format legte Bettina Böttinger in der WELT vor. Die sich selbst durch ihr Äußeres eigentlich mit aller Gewalt von der Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht distanzierende Moderatorin hat nun eben dieses als wirklichen Grund für die baldige Absetzung der Show wegen mieser Quoten benannt. Nicht nur, dass es die bösen Kritiker waren, die die Show schlechter schrieben und damit die Zuschauer manipulierten, nein, jene waren auch noch MÄNNER! Und können damit bekanntlich Frauen prinzipiell den Erfolg nicht gönnen oder kämpfen wenigstens verbissen um jede verbleibende Bastion männlicher Dominanz, unter anderem die der Late-Night-Show. Nun haben die Feuilleton-Machos einen wichtigen Sieg errungen, den sie mit einem Bierbesäufnis und Schwanzlängenvergleichen feiern können! Ein billiger Witz? Keineswegs, nur das logische Pendant zu dem, was Frau Böttinger als “weibliche Komik” definiert: “Und wenn eine Pointe mal nicht so ganz ins Schwarze traf, rettete sie sie mit der Erklärung ‘Scheiße, ich bin mitten im Zyklus, nah am Wasser gebaut!’”. Angesichts der Tatsache, dass Männer von allein noch nie auf die Idee gekommen sind, sich über PMS lustig zu machen, ist das vorläufige Ende dieser Spielart des Humors wirklich ein kaum zu verschmerzender Verlust.

Weil Böttinger, die auch weniger in dem Ruf steht, ein großer Schmidt-Fan zu sein, sich hartnäckig weigert, anzuerkennen, dass die auch in dieser Show großartige Parodistin und Komödiantin Engelke auf den anderen für dieses Format eminent wichtigen Gebieten, besonders dem timingsicheren Vortragen der Gags (abgesehen von deren Qualität, die auch sehr schwankte), teilweise und konstant schmerzhafte Fehler unterliefen, zimmert sie an einer für eine eigentlich doch intelligente Frau geradezu hanebüchenen Verschwörungstheorie. Da fällt auch gleich mal unter den Tisch, dass sich vor Schmidt ja bereits Thomas Koschwitz und Gottschalk (beides Männer, soweit bekannt) an vergleichbaren Sendungen versuchten und bei der Kritik wie beim Zuschauer mittelfristig durchfielen. Am Mangel an interessanten Persönlichkeiten und potentiellen Gästen in den Zeiten des Castingwahns, der miesen Laiendarstellerei und öffentlichkeitsgeiler Juristinnen mit rötlichen Betonfrisuren konnte sicher auch Engelke nichts ändern. Vielleicht hätte man mit mehr Zeit auch eine Alternative dazu entwickeln können, wie es Schmidt durch intelligenten Nonsens und Selbstparodie gelang. Es änderte aber wahrscheinlich nichts daran, dass bestimmte Grundvoraussetzungen einfach nicht erfüllt waren und dazu gehörte sicher nicht die Chromosomenpaarung. Aber wenigstens sind Böttingers krampfhaften Versuche, die Abneigung der Kritiker mit Engelkes Einsatz angeblicher spezieller weiblicher Eigenschaften (jugendlich wirkende Tops!) zu erklären, wesentlich lustiger als alle von mir gesehenen Ausgaben der Show.

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