Now Shot, you are the greatest

Dieses angebliche “perverse Lob” für einen Mord ist Bestandteil eines der die Welt immer weiter an den Rand des Abgrundes treibenden “Gewaltspiele”, wie Recherchen der investigativen Reporter vom ZDF ergeben haben sollen. Jener Sendeanstalt also, die mit ihrer Berichterstattung am Tag des Amoklaufs von Erfurt durch den als Fußballkommentator wie als Talksowgastgeber gleichermaßen unerträglichen Johannes B. Kerner einen Tiefpunkt des Fernsehjournalismus erreichte. Vielleicht hat man sich deswegen nun den Kampf gegen die “menschenverachtenden” Spiele auf die Fahnen geschrieben und richtet sich auch ganz gezielt an das Stammpublikum mit der Warnung: “Rentner werden erschlagen”. Die thüringische Tragödie dient auch weiterhin als Aufhänger und Argument gegen die aktuelle Gesetzeslage, welche die ältere unsinnige Indizierungsregelung mit einer Alterfreigaberegelung ersetzt hat und somit für Erwachsene einen legalen Zugang zu diesen Medien eröffnet.
Perfekt ergänzt wird diese Art der Berichterstattung durch die Kenner der Materie kaum überraschende absolute Ahnungslosigkeit von Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm, der mit seinem Statement verrät, dass er weder den Unterschied zwischen Indizierung und Verbot bei der alten, noch den Inhalt und Sinn der neuen Gesetzeslage auch nur im Ansatz verstanden hat. Aber das ist auch nicht nötig, Hauptsache, man kann markig nach Veränderungen schreien.

Ähnlich wie der kürzlich diskutierte Artikel in der SZ gibt sich auch dieser Beitrag gar nicht mehr die Mühe, eine Korrelation zwischen virtueller und realer Gewalt bzw. die Auswirkungen überhaupt, stichhaltig zu belegen, nicht mal für den Erfurter Fall. Es wird wiederum einfach vorausgesetzt, dass der Leser/Zuschauer sich dies sowieso denkt und das das schon so stimmen wird, weil man ja sieht, wie brutal die Spiele sind. Zu guter Letzt darf dann natürlich auch der unvermeidliche Kommentar von Günther Beckstein nicht fehlen, der gleich ans Eingemachte gehen und die Herstellung der Spiele verbieten will. Klingt nach einem interessanten Projekt, einer Art Vorzensur, bei dem dann wohl bayrische LKA-Beamte über Jahre hinweg in den Entwicklerstudios hospitieren und nach Möglichkeit die ganze Mannschaft nach der Kreation eines ersten Blutpixels verhaften. Oder die Spielkonzepte werden persönlich bei Herrn Becksteins Bundesschrifttumskammer eingereicht und entweder genehmigt bzw. alternativ der Betreffende wegen seiner gewalttätigen Phantasie in ein Besserungslager eingewiesen. Für den ZDF-Autor Rainer Fromm empfehle ich hingegen erstmal einen Englischkurs.

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