Schtonk 2 - the British Empire strikes back

Der für die Uni Leipzig Honorarprofessor tätige Michael Vogt sorgte durch sein Mitwirken an mehreren historisch “zweifelhaften” Filmen und seine Kontakte zur rechtsextremen Szene im letzten Jahr für einige Aufregung, die letztlich auch zur erzwungenen Beendigung seiner Arbeit führte. Vogt gerierte sich anschließend aus nachzuvollziehenden Gründen als Opfer politischer Machenschaften, da seine Filme, speziell über den Englandflug des Führerstellvertreters Heß und über Kriegsverbrechen der Alliierten, auf angeblich “echten und unwiderlegten Dokumenten” beruhen würden. In einem Interview mit dem aus ähnlichen Gründen mit Vorsicht zu genießenden Onlinemagazin Blaue Narzisse ließ Vogt kaum eines der bekannten Schlagwörter wie “Inquisition”, “Volkspädagogik” und “mediale Hinrichtung” aus, nicht einmal Martin Luther oder Rosa Luxemburgs leider nicht vor ständigem Mißbrauch schützbares Zitat zur Freiheit des Andersdenkenden war vor ihm sicher.

Nun erscheinen allerdings gerade die grundlegenden Dokumente in einem gänzlich neuen Licht. Entdeckt und in entsprechend reißerischen Büchern verwertet hatte sie der britische Historiker Martin Allen, der im Falle Heß behauptete, der Ärmste habe einen ehrlichen Frieden aushandeln wollen, sei aber gemeinsam mit Hitler von den Engländern in eine Falle gelockt worden,. Die Briten hätten der deutschen Führung suggerieren wollten, dass eine Palastrevolution gegen Churchill im Gange und England dann zum Frieden bereit sei. Damit sollte ein deutscher Angriff auf Russland befördert werden, der automatisch eine geringere direkte Bedrohung für England bedeutet hätte. Allens neuestes Buch beschäftigt sich erneut mit einer sensationellen Entdeckung im Kontext des Dritten Reiches, nämlich den angeblichen Beweisen dafür, dass Himmler sich keineswegs selbst umbrachte, sondern er durch die Engländer getötet wurde, damit ihre Kontakte mit Himmler, den sie seit 1943 gegen Hitler in Stellung zu bringen versuchten, nicht an die Öffentlichkeit gerieten. Auch für diese These legte Allen neuentdeckte Dokumente vor, eines davon stammte aus der Feder von Brendan Bracken, Informationsminister unter Churchill und einflussreicher Gründer der Financial Times. Einem Reporter der Zeitung fiel zunächst der wenig zu Bracken passende Schreibstil auf und er stellte Nachforschungen an, die unter anderem ergaben, dass Teile der Schreiben mit einem Laserdrucker (!) hergestellt worden und demnach sicher gefälscht waren. Die Untersuchungen wurde dann auf weitere von Allen verwendete Dokumente ausgedehnt. Das erschreckende Ergebnis:

In all, there were 29 forged documents, each typed on one of only four typewriters. They were placed in 12 separate files, and cited at least once in one or more of Allen’s three books. In fact, according to the experts at the Archives, documents now shown to be forgeries supported controversial arguments central to each of Allen’s books: in Hidden Agenda, five documents now known to be forged helped justify his claim that the Duke of Windsor betrayed military secrets to Hitler; in The Hitler/Hess Deception, 13 bogus papers supported Allen’s contention that, in 1941, British intelligence used members of the Royal Family to fool the Nazis into thinking Britain was on the verge of a pro-German putsch; in Himmler’s Secret War, 22 counterfeit papers also underpinned the book’s core claims that British intelligence played mindgames with Himmler to encourage him to betray Hitler from 1943 onwards, and that ultimately they murdered the SS chief.

None of these forged documents was cited in any other works of history.

Auch wenn die “unwiderlegbaren” Dokumente damit wohl alles andere als glaubwürdig sind, bleiben leider die Fragen danach, wie es sein kann, dass diese Fälschungen in den offiziellen Aktenbestand gelangten. Gegen Allen wird nicht prozessiert, was mit seinen Gesundheitsproblemen begründet und sicher einfach wieder neue Verschwörungstheorien in Gang setzen wird.

Kommentar

  1. # - kamenin schrieb am 6. Mai 2008, 08:50:

    Auch sehr zu empfehlen im Zusammenhang: “Der Geschichtsfälscher. Holocaust und historische Wahrheit im David-Irving-Prozess” von Richard Evans.

  2. # - MountainKing schrieb am 6. Mai 2008, 17:46:

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das auch gelesen habe, auf jeden Fall aber das ebenfalls empfehlenswerte “History on Trial: My Day in Court with David Irving” von Deborah Lipstadt.

    Und OT: 30 Rock ist großartig! :-) Danke für den Tip.

  3. # - kamenin schrieb am 7. Mai 2008, 09:44:

    Gern geschehen :-)





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