Annalen 1515

(Fol. 48a)

Unter den zwehen grossen glocken ist erstlich aufgezogen und gehengkt wurden im thorm die kleinsthe, am tag Severini Episcopi spet zwuschen 5 und 6. Am tag aber Der heiligen Chrispini und Chrispiani nach essens umb eins, die grosthe. Und an dem 25. tag Octobris bede gehangen und geleuth wurden.

( tag Severini Episcopi = 23. Oktober
tag aber Der heiligen Chrispini und Chrispiani = 25. Oktober)

Hie ist auch zuwissen das geschicht und bekenthniß des getauften Juden Joan Pfefferkorn genanth, gebraten zu Hall uff dem Juden kirchoff cet. Welchs auch im Drugk. Derhalben nor angezeigt.

(Fol. 48b)

Hi sein vil geschichte, die man hat im drock wahrhaftig nicht erticht in acht zuhaben, in disem Jhar ergangen. Der gleichen auch zu thuen in andern Jaren. Vleissiglich zu lesen di Coronicon anderer landen. Aufzumerken was disen unsern landen hat Schad ader Frommen gebracht ader nach möcht wrengen etc.

Annalen 1515

(Fol. 47a)

Ein Ratz ader grosse mauß zu Weinmar in der padstuben auf eine nacht einem Kind in der wige den hals abgefressen auch umb das maul seher zupissen.

(Randbemerkung: Jacula prius monita non adeo ledere solent.)

Ein ganß gäntzer hath in der Lungwitz Sancti Egidii pfar ein meidelein von 4 Jaren, mit den jungen genselein gespilt, mit den flogen an der selbigen sthell erschlagen.

(Randbemerkung: puericia vult observari.)

Peter Gopffert, Hanß Frangk, Nikkel Reynelt und Jorg Neumeister di 4 burger sein aus dem Radt gesatzt wurden Und an irer stadt gesetzt N. Mölich, N. Parth, Barthel Czepner, Wolf Jacoff und S. Blasius Storch in stadt hanß Schmidels Ursach nicht einem iitzlichen pauren erkundt.

(Fol. 47b)

Hie ist zubeherzigen die zwetracht und auflauf der Schtadt Coeln, welche sunst im Drock kundig: uff das sulchs andern ein exemplum sei.

Hie ist auch zubetrachten die uberhandelung der Märckischen Juden mit dem Sacrament, welchs auch im Drock kundig.

Annalen 1515

(Fol. 46b)

6 fa. Sabbato vor Mariae Magda: seine sulche gewisser alhie zu Zwigkau (welche zuvor Sommerzeit nicht in 20 Jaren) erwachsen. Von welchem unsere Bürger einen seher grossen Schaden außerhalben der stad an holz haben genummen, Auch nicht verschonet allen reifen, die zeit getreiden (das reife Getreide). Geschwigen der Menschen, welchs am grosthen, die in wasser nöten sein vortorben. Gescheen den 20 und 21 tag des Mondes Julii. Dis gewisser hat auch einen mechtigen schaden zugewanth der schtadt Geram alzo das ein podestube fast steinende gebauet, auch hocherhoben, ist gar in grund vortorben, geschwigen anderer Schaden der Menschen und andern Dingen.

( 6 fa. Sabbato vor Mariae Magda = 21. Juli)

Annalen 1515

1515. Litera Dominicalis B.

Am Sonobent vor esto mihi hat erstlich unser gnedigister Her her Joan Herzog zu Sachsen hie eingefurth seinen erschtgeborn Son Joannem Fridericum sampt seinem elich gmal Margarethe von Anhalth, sein ander elich gemal.

(Fol. 46a)

Ist ergangen der seher schedlich wranth der Stadt Brugks mit unüberwinthlichen Schaden der arme leuth, am tag oculi gegen owents zeiten zwuschen 8 und 7, in welchen vortorben etzlich vil menschen jemmerlich mit pferden ertredt und sunsten ersteckt.

Am Sonobenth Misericordias dmnj. ist unerfharlicher weise hie zu lande ein weip von wegen mordtlicher ubeltat enthaeubt wurden, gescheen in der schtadt Leipzig.

( Sonobent vor esto mihi = 17. Februar
am tag oculi = 18. März
Am Sonobenth Misericordias = 28. April)

Annalen 1514

(Fol. 45b)

1514

Nach Sant Michaels tag ist di grosse schatzung ader schindung uber arme leuth, erbärmlich zu sagen, erstlich angefangen, den man nennet den zenden aller getrenk gescheen unser lantfursten di zeit regirend Herzog Hanßen.

(Randbemerkung: Proh pudor pessimus principum abusus in suossubditos.)

Den 11 tag Novembris ist der Bischoff Magdeburgensis Halberstadensis etc. auch zu erzbischoff Maguntiae erwelt wurden mit grossem geprang gen Metzen kommen am tag Martini und also sein ampt vorendet.

Annalen 1514

(Fol. 44b)

1514

Litera dominicalis fuit A

Am Sontag letare ist gekröneth wurden zu Bischofflicher würde der Hochgeborne Furst und her Adolphus von Anhalth.

Sein vorgeher mit namen Thilo von Drath (Trotha) hath seher ein lange zeit regireth.

(Sontag letare = 26. März)

Den Freitag vorn Plamentag ein thurstiger pauer, gewonet nahe bei Gera, hat tödtlich vorseret den Official zu Zeitz in eigener seiner behausung mit namen Cyriacus VI. Welcher theter den Sonobent dar nach ist gefangen.

(Freitag vorn Plamentag = 7. April
Randbemerkung: Foelix rusticatis, quae et ipsa sapere incipit nephas clericorum.)

(Fol. 45a)

Ist der Achtwar und Hochgelarth Doctor N. Pobenczan, einer aus den öwersten praelathen und regenthen (magistratus Erfordensium) jhemmerlich zu sagen gethetet wurden. Dan durch die henger und ungütige queler in in 4 stuck haben zurissen awer getheilet. Sulchs von neits wegen gemeines bufels (Pöbels) (alß etzlich sagen) unschuldiglich gelieden, gescheen den letzten tag den Mondes Mai.

(Randbemerkung: Sic enim vulgus ac hand aliter et iudicat et facit.)

Ecce doctor Bobenczan dividitur et nemo considerat.

In der nacht, do man pflegt zu halden das Fest, awer wie mher gewonlich, die Schlemmerei Burkhardi, ist von etzlichen des Adels ein dorf genanth perlsdorff, mit feuer vortilliget, Der Erfordischen von wegen ires unvorsichtigen handels, welcher iderman ist mher dan überig kundig.

Annalen 1513

(Fol. 42a)

1513

Am anderen tage Augusti ist vorschiden seiliger gedechtniß Der Erwürdig in goth vater Bischoff Ernst, alle praedicat hindan gesatz, Und durchleuchtigsten Hern Her bruder etc.

(Fol. 42b)

Am 15. tage des Septembris ist gegussen, under den zwehen grösten glocken, unser lieben Frauen Kirchen di kleinste, zwuschen 2 und 3, welche an irer maß hat 50 Ct.

24 tage Septembris ist zu Burgermeisterlichen ampt erwelt Der achtwar hochgelarthe Ehr Erasmus Stuller, Der Erzenei großerfarner doctor.

Am tag Cosmi und Damiani umb segers 6 in di nacht ist vorbracht wurden das wergk der grosten glocken, welchs an seiner schwerehundert Ct., Und Sonobent nach Michaelis sein bede gefeß von irer fheuerstadt,
(Fol. 43a)
durch beistand menschlicher hülf, in die Stadt ane pferde uff schleifen di menschen vorfügt. Di kleniste ist erstlich gelauth am obent aller heiligen, Di grosse awer den andern tag nach Martini.

(tag Cosmi und Damiani = 27. September
Michaelis = 1. Oktober
aller heiligen = 1. November
Martini = 11. November)

Meister Oswalth von Freiberg, diser glocken gisser, sher ein sitzammer man, nam wunderlicher weis einen schaden uff einen gaulen alzo das im mit dem schwanz ein pein wurde entzwe gerissen.

(Fol. 43b)

Ist gewest ein trefflicher kalder winther, angefangen am fest Martini und gewerth lenger dan einen ganzen winther als umb die fasthe Und als dan ist gewest ser ein grosser gebruch des brots. Alzo man umb gebruchs willen uff dem Radthause sulchs hat müssen austeilen seher spärlich, wan als dan vor kelde di mölen standen.

(fest Martini = 10. November)

An dem 13 und 14 tagen Novembris hath sein elich peiligen vorbracht der durchleuchtigste Herzog Joannes Fursth von Sachsen, ein bruder herzog Friderichs des Kurfürschten, mit der Hochgebornen Fürsthen Margaretha von Anhalth.

(Fol. 44a)

Den xj tag Decembris sein geweiet wurden bede glocken der kirchen unser lieben Frauen durch den Hochwirdigen vatter Hern und Hern Bartholomeum Hone Episcopum Callensem

Dem andern tag geweiet 2 altar zu Sant Moritz und der Kirchoff der bruder. Auch widerumb versuneth den kirchoff S: Catharinae.

Am 25 tag Decembris, ist gewest am tag der geburth Chrj., ist angefangen mit der grossen glocken das Schlahen (welchs man nenth) pro pace, welchs zuvor mit einer kleinen gehalden, Dar umb das dise glocke sei geeigneth und geweihet im namen Mariae.

(Randbemerkung: Animus piu non semper reddit opus pium.)

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