Netz-Anarchos und trojanische Pferde – Eine Replik

Trencavel am 18. Juni 2009

Ich bin gerade ein wenig überrascht und sprachlos zugleich. Warum? Durch diverse Kanäle im Internet (Twitter, Blogs etc.) bin auf folgende Kolumne in der Frankfurter Rundschau gestoßen.

Nach dem Lesen dieses Pamphlets — ich kann es leider nicht anders benennen — möchte man meinen, es hätte sich wieder ein Politiker aus der zweiten oder dritten Parlamentarierreihe gemeldet. Doch nein. Der Text wurde verfasst von Herfried Münkler, auch wenn man das nicht wirklich glauben mag.

Während meiner Studiums und noch darüber hinaus habe ich die Publikationen Herfried Münklers mit Gewinn gelesen, sowohl in prosaischer, als auch in wissenschaftlicher Sicht. Seine Ausführungen schienen sehr gut recherchiert und fundiert zu sein. Auch wenn ich seine Thesen und Schlüsse nicht immer teile, so waren diese klar durchdacht, basierend auf dem von ihm recherchierten Material schlüssig.

Aber — es musste ein »aber« kommen — die von Herfried Münkler geschriebene Kolumne grenzt an ein unreflektiertes, unfundiertes Geplappere, dem jegliche Recherche fehlt, dass ich mich ernsthaft frage, ob dieser Text tatsächlich aus seiner Feder stammt — ein Computer kann es augenscheinlich nicht sein.

Ins Detail:

Das Gesetzesvorhaben [Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet, Anm.] sollte bloß sicherstellen, dass das, was für Printmedien gilt, auch im Internet gelten soll: dass der Erwerb von Kinderpornografie unter Strafe steht.

Nun, dem ist bereits so (siehe §184 StGB). Und »bloß sicherstellen« eines bestehenden Gesetzes macht man am Besten wie? Genau. Indem man das Gesetz anwendet die Täter verfolgt und zur Rechenschaft zieht.

Die Freiheit des Internets müsse gegen staatliche Einflussnahme verteidigt werden.

Worin genau besteht die Freiheit des Internets? Worin besteht die Freiheit einer Telefonverbindung? Das Internet ist — technisch gesehen — ein Medium zur Informationsübertragung und Kommunikation. Die Teilnehmer dieses Internets und die darin übertragenenen Informationen unterstehen der schon bestehenden Gesetzgebung. Genau so wie ich für eben diesen Text haftbar bin. Die Freiheit des Internets besteht in einem primär technischen Sinne, welche die traditionellen Beschränkungen für die Kanäle von Informationsbeschaffung, -weitergabe und Kommunikations verkleinert. Nur aus ebendiesem Grund kann hier ich zu dieser Replik ansetzen. Dessen ungeachtet verfällt die Haftbarkeit in zivil- oder gar strafrechtlichem Sinne nicht. Die Freiheit, wovon Herfried Münkler meint es wäre die Freiheit des Internets, die versucht wird zu verteidigen, ist die Freiheit, die auch im »realen« Leben verteidigt wird: Die Freiheit des Informationsaustausches, die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Informationsbeschaffung ohne Zensur.

Diese Position einer prinzipiellen Verbotsabwehr verbindet sich mit der Auffassung, in der virtuellen Welt des Internets hätten die Eigentumsansprüche, wie sie in der realen Welt erhoben werden, keine Geltung, sondern müssten einer kostenfreien Nutzung durch alle zugänglich sein.

Im diesem Abschnitt schwingt Herfried Münkler über zur Debatte über geistiges Eigentum, Online-Piraterie, Heidelberger Appell und Open Access und wirft die Gegner einer Internetzensur mit den Befürwortern von veränderten Nutzungsrechten in einen Topf. Da beide Debatten primär nichts miteinander zu tun haben, werde ich mich dazu nicht weiter äußern, da diese Vermischung und Verallgemeinerung nicht statthaft wäre. Das ist eine ganz andere Baustelle.

Es ist eine eigentümliche Schar, die sich unter dem Banner der Netzfreiheit versammelt hat. Einerseits kriminelle Geschäftemacher, die das Internet benutzen, um verbotene Produkte an den Mann zu bringen, und andererseits ein Ensemble von Freiheitskämpfern, die ihre anarchistischen (kein Staat!) oder kommunistischen Ideen (kein Eigentum) in der virtuellen Welt des Internets realisieren wollen.

Da das Internet kein rechtsfreier Raum ist, könnte ich Herfried Münkler für diesen Absatz belangen. Da ich aber die seine Meinungsfreiheit über meine Befindlichkeiten stelle, lass ich den Absatz einfach so stehen. Er spricht von selbst Bände.

Angelpunkt dieser Argumentation ist die Annahme einer ontischen Differenz, die Realität und Virtualität tatsächlich und wirksam voneinander trennt. Die Trennbarkeit beider Welten ist die Voraussetzung dafür, dass in der virtuellen Welt nicht gelten muss, was in der Realität unabdingbar ist: dass die Freiheit des einen an der Freiheit des anderen ihre Grenze hat und dass diese Einsicht die Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung ist.

Nun ist aber gerade die Nutzung kinderpornografischer Internetseiten ein Beleg dafür, dass der ontische Graben an einigen Stellen übersprungen werden kann: Die Bilder vergewaltigter Kinder entstammen der Realität; nur deswegen sind sie in der Virtualität kapitalisierbar.

Wenn Herr Münkler schon Begriffe wie »ontische Differenz« benutzt, will ich nur kurz darauf hinweisen, dass das »Sein« nicht ohne das »Seiende« und umgekehrt sein kann. Diese herbeifabulierte Trennung von Internet und Realität gibt es nicht, weder im realen/virtuellem Sinne noch im von ihm postulierten philosphischen Sinne.

Wäre Herfried Münklers Text nicht gespickt mit einem philosphischem Verweis und wäre Kinderpornografie und Zensur nicht so ein ernstes Thema würde ich seinen Text als zu ignorierende Polemik in einer mir unbedeutenden Zeitschrift abtun. Da dies aber nicht so ist: »Thema verfehlt, schlecht (bis gar nicht) recherchiert, durchgefallen«.

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Wer hat Angst vor´m frobösen Rolf?

MountainKing am 10. Juni 2009

Die Scienceblogger, namentlich Ulrich Berger, zumindest schon mal nicht. Gerade der alternativmedizinische Bereich quillt förmlich über mit abstrusen Umdeutungen von wissenschaftlichen Begriffen wie Energien und Schwingungen, da ist es wenig verwunderlich, dass inzwischen auch die armen Quanten unter die Räder kommen. Dass das neue Werk Froböses über die “Quantenmedizin” von ihm auf dem inzwischen hinreichend bekannten Weg über selbstverfasste “Artikel” und deren Plazierung in allen möglichen Medien bekannt gemacht werden soll (die Links zu den früheren Versuchen seien zur erheiternden Lektüre empfohlen), nimmt da kaum Wunder.

Gestutzt habe ich allerdings schon, als Froböse als Zeugen und führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet Prof. Dr. Jürgen Waldmann von der TU Chemnitz anführte, seines Zeichens Mediziner (angeblich). Dass “unsere” ehemalige Uni inzwischen eine medizinische Abteilung besitzt, war mir zumindest neu, sonst hätte ich damals vielleicht doch lieber Quantenmedizin anstatt Geschichte studiert. Scheint ja das nächste große Ding zu werden, wenn man Herrn Froböse Glauben schenkt und wer würde das nicht…

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Unkenntnis – Das Problem

Trencavel am 17. März 2009

Der TAZ-Beitrag von Arno Frank »World Of Bullshit« zeigt deutlich, wo das Problem an der ganzen Diskussion um Computerspiele liegt. Der Beitrag versucht zwar eine Lanze pro Computerspiele zu brechen, allerdings geht dieses Unterfangen meines Erachtens nach hinten los.

Der Beitrag enthält nichts Substanzielles, nicht Faktisch-Argumentatives mit dem man Kritiker entkräften könnte. Dafür zeugt er von genau derselben Unkenntnis um das Medium Computerspiele, das man Kritikern und Politikern oft und zu Recht vorwirft:

Wenn man “World Of Warcraft” etwas vorwerfen kann, dann höchstens, dass es die Jugendlichen auf spielerische Weise mit den Grundgesetzen des Kapitalismus vertraut macht. Als “Charakter” gebietet der Spieler über ein Völkchen aus Menschen, Orks (siehe Foto) oder Elfen, die in erster Linie Holz hacken, Edelmetalle fördern und Häusle bauen, um mit diesen finanziellen Mitteln und Rohstoffen allmählich ihre Fertigkeiten zu steigern – darunter so brutale wie Schmiedekunst, Ingenieurskunst, Lederverarbeitung, Schneiderei, Inschriftenkunde oder Juwelenschleiferei. Gewalt oder Krieg finden hier, wenn überhaupt, auf einem ähnlichen Abstraktionsniveau statt wie bei Brettspielen im Stil von “Risiko” oder “Stratego”.

Paradigmatisch werden auch hier zwei unterschiedliche Spielegengre bzw. zwei Spiele verwechselt und vermischt — das Aufbau-/Strategiespiel Warcraft respektive das Online-Rollenspiel World of Warcraft. Durch diese Unkenntnis erhält der Beitrag für mich einen recht tendenziösen-polemischen Charakter, der wohl zeigen soll, dass man nicht auf Seiten der Mainstream-Medien steht. Aber leider ist das genauso unangebracht wie im Falle der Kritiker. Traurig!

Warum muss immer mit atemberaubender Unkenntnis brilliert werden? Es gibt genügend argumentative Angriffspunkte die Kritiker bloß zu stellen.

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Rebloggeria: Amoklauf, Gewalt und die Killerspiele

Trencavel am 17. März 2009

Da in den Medien immer wieder die selben »Experten« vor die Kamera gezerrt werden bzw. jene es auch nicht lassen können in jedes ihnen vorgehaltene Mikrofon ihr »Expertenwissen« zum Verhältnis von Gewalt und Computerspielen zum Besten zu geben, verblogge ich nochmal kurz die bisherigen Ausführungen, die dazu auf hier auf YaBlo bisher erschienen sind:

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Bruche mer nit, fott domet

Trencavel am 12. März 2009

Ich fordere ein Verbot aller Schützenvereine und das Verbot jeglichen privaten Schusswaffenbesitzes!

Und wehe es kommt mir nochmal einer von wegen Computerspielen …

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Neueste Errungenschaft: Nesingwary 4000

Trencavel am 9. Januar 2009

Heute durch Zufall zu einem fairen Preis erstanden. Die Nesingwary 4000 hat ein schickes Model spendiert bekommen:

Nesingwary 4000

Thur mit Dhur und Nesingwary 4000

Thur mit Dhur und Nesingwary 4000

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Illegale Downloads...

MountainKing am 14. Dezember 2008

…haben Konsequenzen, wie man bei “The IT Crowd” erfahren kann. Die Serie über zwei Computernerds im Keller einer großen Firma dürfte hierzulande noch nicht sehr bekannt sein, ist aber, abgesehen vom manchmal etwas zu hysterischen Agieren der Departementchefin durchaus empfehlenswert. In der oben verlinkten Folge geht es übrigens darum, dass Moss, einer der beiden Helden durch ein kleines sprachliches Mißverständnis in einer Anzeige nicht bei einem Kochkurs landet, sondern von einem cellospielenden deutschen Kannibalen verspeist werden soll. Was würden die Engländer ohne uns nur machen…

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