Wenn man sich schon nicht auf die Rente freuen kann...

Und noch ein Eintrag über ein englisches Zitat, diesmal ist es sogar völlig egal, ob es gefälscht oder echt ist. Richard Bartle erklärt die Schlacht um die Zensur von Videospielen kurzerhand für beendet – und “uns” zum Sieger. Anlaß ist die von der britischen Regierung in Auftrag gegebene Untersuchung zu Möglichkeiten der Verbesserung des Schutzes von Kindern vor den Gefahren der neuen Medien, die kürzlich veröffentlicht wurde. Die Psychologin Tanya Byron kommt hier zu sehr neutral formulierten Vorschlägen, die jenseits der üblichen Hysterien vor allem auf mehr Medienkompetenz setzt. Bartle spekuliert, dass nicht zuletzt die Auftraggeber eher etwas anders gelagerte Schlußfolgerungen erwartet hätten. Die Begründung, warum dies nicht geschah, ist simpel: Byron gehört im Gegensatz zu den vehementen Kritikern einer jüngeren Generation an, die mit den Spielen sozialisiert wurde und für die ein Großteil der vorgebrachten Argumente und Befürchtungen schlicht den eigenen Erfahrungen widerspricht:

I’m talking to you, you self-righteous politicians and newspaper columnists, you relics who beat on computer games: you’ve already lost. Enjoy your carping while you can, because tomorrow you’re gone…Gamers vote. Gamers buy newspapers. They won’t vote for you, or buy your newspapers, if you trash their entertainment with your ignorant ravings. Call them social inadequates if you like, but when they have more friends in World of Warcraft than you have in your entire sad little booze-oriented culture of a real life, the most you’ll get from them is pity.

Die Berliner Sinfoniker...

…waren es zwar nicht, die mich letzte Woche in unserer Hauptstadt begeistern konnten, aber die Progressiv-Metaller von Symhony X sind zumindest spieltechnisch ganz nah dran. Kein wirkliches Kunstück, wenn man mit Michael Romeo einen der besten Gitarristen und in Russell Allen einen begnadeten Sänger und Entertainer in seinen Reihen hat (ohne den Rest der Bandmitglieder unter Wert verkaufen zu wollen). Das letzte Album Paradise Lost fiel überraschen hart, fast schon trashig aus, ohne dass man nicht bei jeder Sekunde hören würde, um welche Band es sich handelt, weil sowohl Gitarrensound/Riffing als auch der mit einem leichten 70er-/Hardrock-Touch versehene Gesang und der Kompositionsstil einen extrem hohen Wiedererkennungswert besitzen (Anspieltips: Set the world on fire, »Paradise Lost« und »Sacrifice«).

Charakteristisch sind zudem die vielen Breaks und nicht zuletzt die Balladen oder wenigstens langsamen Zwischenstücke, auf die beim Konzert aber weitgehend verzichtet wurde. Dort dominierten verständlicherweise die härteren und schnellen Songs und dass diese technisch nahezu makellos gespielt wurden, war zu erwarten. Weniger selbstverständlich in diesem Musiksektor ist allerdings der offensichtlich enorme Spaß, den die Band an ihrem Auftritt hatte. Der unglaublich sympathische Hüne Allen unterhielt die gut gefüllte Columbiahalle mit nie bemüht witzig wirkenden Zwischenbemerkungen und sang nebenbei wie ein junger Gott.

Der Unterschied zu den beiden Vorbands war speziell in dieser Hinsicht zu spüren. Gerade Dreamscape blieben im Vergleich doch ein wenig statisch, die Norweger Circus Maximus waren hier schon überzeugender. Letztere gefielen mir auch musikalisch ein wenig besser, weil ich gerade bei komplexer Musik doch gern hin und wieder eingängige Melodien mag. :) Aber das ist natürlich Geschmackssache und wenn ich den Vergleich noch ausweite auf die letztjährigen Konzerte von Kelly Clarkson (geschenkte Karte! :-)) und Evanescence bilde ich mir schon ein, dass ein riesiger Unterschied besteht zwischen der Außendarstellung einer gewachsenen Band und den bezahlten Backgroundmusikern für eine Sängerin.

Die Kölner haben ihre Chance zwar leider schon verpasst, aber wer sonst noch in der Nähe der Tourstationen wohnt: hingehen!

Ich hasse Köln!

Erst nimmt es mir zwei meiner besten Freunde weg (siehe vorherigen Eintrag von Tommy) und jetzt auch noch die Games Convention. Die “Gerüchte” häufen sich inzwischen doch zu sehr, als dass man den Dementis noch Glauben schenken könnte. Nicht, dass ich wirklich etwas auf die alljährlichen Beteuerungen bezüglich der großartigen und einmaligen Unterstützung der GC durch die Stadt und die Leipziger Messe während der Auftaktveranstaltung im Gewandhaus gegeben hätte. Aber ein klein wenig gefiel es mir als Ex-Leipziger schon, dass sich diese Messe über die Jahre derart erfolgreich entwickelte und zur zweitwichtigsten ihrer Art aufstieg – und das eben “im Osten”. Die bisher kolportierten Begründungen sind zum Teil so schwachsinnig, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann. Eine DER deutschen Messestädte hat nicht genügend hochklassige Übernachtungsmöglichkeiten?? Ein Flughafen, eine direkte Autobahnabfahrt und der größte Kopfbahnhof Europas reichen als Verkehrsanbindung nicht aus??? Sollte man vielleicht noch einen UFO-Landeplatz bauen? Entscheidender dürfte wahrscheinlich die Formulierung “Zudem habe es “ein sehr entgegenkommendes Angebot der Kölner” gegeben.” sein.

P.S.: Vielleicht sollte ich statt “Köln” lieber “rheinischer Kapitalismus” schreiben, wäre eigentlich ein gar nicht mal so übles Wortspiel…

Amokeierlauf

Im Fischblog findet sich der Link zu einer Studie, die auf eine statistische Korrelation zwischen niedrigem (!) Cholesterinspiegel und Schulverweisen bzw. aggressivem Verhalten hinweist:

The authors concluded that, among non-African-American children, low total cholesterol is associated with school suspension or expulsion and that low total cholesterol may be a risk factor for aggression or a risk marker for other biologic variables that predispose to aggression.

Das wäre ja einmal eine durchaus interessante Frage im Hinblick auf die hier mehrfach kritisierten Behauptungen bezüglich des ach so furchtbaren Einflusses diverser Medien auf jugendliche Gewalttäter und die damit einhergehenden Zensurdebatten. Vielleicht gibt es ja dann bald einen modifizierten bayrischen Gesetzentwurf, der den Verkauf eines Egoshooters nur noch im Bundle mit einem halben Liter Milch inklusive zwei darin aufgeschlagener Eier in der Feldflasche erlaubt?

Kerner als Uriloge

Die Marketingmaschine für Gellers Show muss natürlich noch ein wenig am Laufen gehalten werden und da überrascht es nicht, dass er gestern bei JBK eingeladen war. Da ich der Sendung immer nur in kurzen Dosen beiwohnen kann, bevor ich aus technischen Gründen (Schleim geht so schlecht aus dem Teppich) wieder umschalte, will ich die Sendung nicht komplett bewerten. Eine Behauptung Gellers fand ich aber bemerkenswert: nach dem fast kritisch zu nennenden Hinweis, dass alte Uhren, vor allem wenn sie erwärmt/bewegt werden, gar nicht so selten plötzlich von allein wieder funktionieren, gestand er zu, dass dies in ca. 25% der Fälle zuträfe, aber es blieben 25%, bei denen man es nicht erklären könne!
Wahrscheinlich jeder – außer Kerner – würde sich da nun die Frage stellen, wie zur Hölle man den einen vom anderen Fall unterscheiden können soll. Wahrscheinlich muss man dazu die speziellen “Begabungen” Gellers besitzen…

You've reached the next Löffel

Uri Geller geistert schon seit den 70ern über die Fernsehschirme der westlichen Welt und unzählige Haushaltsgegenstände zählen zu seinen angeblichen Opfern, ganz abgesehen von den Hirnen derjenigen, die glauben, dass er tatsächlich paranormale Fähigkeiten besäße. In Wahrheit handelt es sich um für Experten relativ simple Zaubertricks, die auch schon längst als solche entlarvt wurden. Nichtsdestotrotz startet heute auf Pro7 eine neue Show mit dem magischen Stehaufmännchen, eine Adaption der urprünglich in Israel gelaufenen Sendung “The Successor”. Gestern lief dazu bereits eine Art Warm-up-Show, ein völlig kritikloses Abfeiern Gellers, garniert mit alten TV-Bildern und Interviews.

Solange hier tatsächlich nur Mentalisten gesucht werden, gibts auch wenig zu kritisieren, problematisch ist bei Geller eben nur, dass er behauptet, tatsächlich übernatürliche Kräfte zu besitzen, damit u.a. für Geheimdienste gearbeitet zu haben und auf dieser Basis dann auch Bücher über Edelsteine oder Medizin verkauft.
Neben den Videos von James Randi, der sich als einer der ersten bereits vor 30 Jahren mit Geller beschäftigte sei noch auf den genialen Sketch von Hugh Laurie und Stephen Fry verwiesen.

Alien vs Predator 2: Requiem (für das Hirn)

Die im Comic- und vor allem im Videospielbereich durchaus gelungene Verschmelzung der Stories der beiden eigentlich voneinander unabhängiger Universen der “Alien” bzw. “Predator”-Filme hat inzwischen eine weitere kleinere Filmreihe inspiriert, deren zweiten Teil ich am letzten Wochenende bewundern durfte.
Nachdem im Vorgänger ein riesiges irdisches Trainingsgelände für angehende Predatoren, in dem die Aliens in ihren diversen unappetitlichen Entwicklungsstadien als Beute dienten, im Mittelpunkt stand, crasht zu Beginn des neuen Films ein Raumschiff in den Wälder Colorados. An Bord – man ahnt es – viele kleine Aliens und ein sauber von innen abgenagter Predator, der zur unfreiwilligen Mami einer neuartigen Kreuzung zwischen den beiden Rassen wurde. Diese lustige Schar macht sich nun über die Bewohner einer netten amerikanischen Kleinstadt her, während sich aus den Tiefen des Alls der Wolle Schäuble der Predatoren aufmacht, die freigesetzten Aliens zu erledigen, denn dank Onlineüberwachung konnte er den Tod der Kollegen quasi live beobachten.

Die menschlichen Hauptpersonen des Films sind so klischeehaft, dass man auch versteht, warum kaum Zeit für ihre Charakterisierung verschwendet wird. Zwei Brüder stehen im Mittelpunkt, wobei der ältere gerade in die Stadt zurückkehrt, um seinem offenbar in Schwierigkeiten steckenden Bruder zu helfen. Witzigerweise ist der Heimkehrer gerade im Knast gewesen, während der Jüngere Pizzen ausfährt – ob da irgendwie die Handlungsfäden durcheinander gerieten? Egal, beide haben mit dem Rest der Personen gemein, dass man sich mit zunehmender Länge des Filmes nur wünscht, sie würden endlich von den Monstern zerstückelt. Die offenbar an Sigourney Weavers Figur aus den Alien-Verfilmungen angelehnte toughe Irakkriegsveteranin (mit Kind), ein zu netter Sheriff und natürlich die blonde Angebetete des jüngeren Bruders, die eben ihrem Freund den Laufpass gegeben hat (der diesen daraufhin zu Recht verprügelt). Hölzernes Acting und grauenhafte Dialoge sind bei derartigen Filmen vielleicht noch verzeihlich, aber auch die Actionsequenzen sind höchstens drittklassig, viel zu schlecht ausgeleuchtet und vorhersehbar. Blut und Gekröse sieht man reichlich, nackte Brüste gar nicht, weil Blondie beim Date im Schwimmbad nur bis zur Unterwäsche kommt, bevor der Ex und seine Kumpels auftauchen (und gleich danach das Predalien). Schwangere sollten den Film allerdings meiden, da in einer ausführlichen Szene im Krankenhaus ihre Leidensgenossinnen von den Aliens fein säuberlich eingesponnen werden, nachdem sie ihnen eine Art Cumshot in den Mund verpassten (der Sinn? – keine Ahnung!).

Solange man nicht allein ins Kino geht, können derart miese Filme dann ja durchaus trotzdem Spaß machen, interne Wetten über das nächste Opfer, Anfeuern der Monster und nicht zuletzt die unfreiwillige Komik der Dialoge (Bruder X zu Bruder Y, dem gerade ein Alienschwanz einen Meter aus der Brust ragte: “Bist du ok?” – “Ja!”) ersetzen Interesse an Handlung, Charakteren oder Spannung durch halsbrecherische Action. Am meisten erschrocken war ich bei der Information, dass man in den USA für 4 Pizzen sage und schreibe 53.50 bezahlt (!).

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