Pseudo-Celebrity Deathmatch

Im Netz ist kürzlich ein Interview aufgetaucht, dessen Inhalt einerseits absolut grotesk und komisch ist, andererseits aber auch widerliche antisemitische Hetze enthält und einem Scharlatan, dessen Treiben schon mehrere Menschenleben kostete, eine Tribüne bietet:

xttp://www.lnc-2010.de/Haug_Hamer.wmv
xttp://www.lnc-2010.de/html/neues_deutschland.html

Man könnte es kurz charakterisieren als einen Dialog zwischen einem rechtsradikalen Spinner und einem antisemitischen Psychopathen, die verständlicherweise leicht eine gemeinsame Wellenlänge finden, nämlich Dr. Matthes Haug und R.G. Hamer. Ersterer gehört zu einer der diversen selbsternannten „Reichsregierungen“ die auf der Basis von falsch verstandenen und manipulierten Quellen behaupten, dass die Bundesrepublik völkerrechtlich „ungültig“ sei und das Deutsche Reich – natürlich inklusive der Ostgebiete – weiterhin existieren würde. Mangels entsprechender Amtsträger ernennen sie sich selbst bzw. gegenseitig zu Kanzlern und Ministern, können sich dann nicht mehr leiden, spalten sich ab und bilden eine neue Regierung. Motivation nicht weniger Sympathisanten ist, abgesehen von rechtsextremer Gesinnung, dass sie keine Straftickets mehr bezahlen müssen, da sie ja Bürger des Deutschen Reiches sind.

Hamer wiederum ist der Erfinder der „Germanischen Neuen Medizin“ und Guru der auf diesem abstrusen Medizinsystem aufbauenden sektenartigen Anhängerschar. Er sieht sich als verfolgtes Genie, welches nur dafür kämpft, dass alle Patienten nach seiner Methode behandelt werden und damit zu 98% überleben. Das ist deswegen nicht möglich, weil die Juden (wer sonst?) dieses „Göttergeschenk“ für sich behalten und alle Nichtjuden mit den Mitteln der Schulmedizin umbringen. Dies funktioniert, weil die Juden laut Hamer Politiker, Medien, Richter und Wirtschaft kontrollieren und außerdem schon aus religiösen Gründen alle Nichtjuden hassen, und in den letzten Jahren 20 Millionen Deutsche umgebracht haben. Natürlich sind diese Behauptungen, seinen entrüsteten Anhängern zufolge, keineswegs antisemitisch!

Das ganze Interview dreht sich im Grunde dann auch nur um diese zentralen Punkte, es ist offensichtlich, dass Haug beabsichtigt, sich die vorhandenen Strukturen der GNM zunutze zu machen, indem er Hamer u.a. das Amt des künftigen Reichspräsidenten anträgt. Natürlich schlägt Hamer das nicht aus, schließlich ist er stolz, ein Germane zu sein und möchte seinem Volk endlich die durch die Fremdherrschaft geraubte Würde und das Recht zurückgeben.
Haug betet die meiste Zeit in ermüdender Weise alle Scheinargumente für seine Theorien herunter, während Hamer wiederum ebenso penetrant seine komplett erfundenen Zahlen (Opfer, angebliche Heilungschancen, Überprüfungen) vorträgt und auch seinen Größenwahn schwer verbergen kann. Der Rest besteht in freihändigem Philosophieren über diverse Felder der Politik, von denen beide offensichtlich keine Ahnung haben.

Man sieht meines Erachtens hier auch sehr gut, wie zwei an sich verschiedene pseudowissenschaftliche Systeme, ein medizinisches und ein politisches miteinander kompatibel sind. Sie eint vor allem die notwendige Verschwörungstheorie, die das bisherige Versagen im Hinblick auf die breite Durchsetzung der Ideen erklären muss. Außerdem wird hier unfreiwillig eine der jüngsten Totalpleiten Hamers dokumentiert. Als Paul Spiegel nach einer Operation im Krankenhaus lag und wegen einer beginnenden Leukämie ins künstliche Koma versetzt wurde, konnte Hamer der Versuchung nicht widerstehen, per Ferndiagnose und –prognose diese Gelegenheit zur Propaganda und als potentiellen Beweis seiner Kernthesen zu benutzen.
In einem weiteren Brief (xttp://www.pilhar.com/Hamer/Korrespo/2006/20060324_Hamer_an_PaulSpiegel.htm) an Spiegel – frühere bestanden in Anschuldigungen wegen seiner angeblichen Verstrickung in die Verfolgung Hamers und indirekten Androhungen eines neuen Holocausts – wünschte er diesem gute Genesung und stellte außerdem fest, dass er (Spiegel) exakt nach der GNM behandelt werden würde und diese doch endlich auch für alle anderen Patienten durchsetzen solle.

Genau diese Behauptung wiederholt Hamer nun auch mehrfach in dem vorliegenden Video, das offensichtlich vor Spiegels Tod gedreht wurde, nach dem Hamer sich dazu dann bezeichnenderweise nicht mehr äußerte. Seine Anhänger im zentralen Forum allerdings schon, dort wurden zwei „Erklärungen“ angeboten; einmal die bei allen Opfern Hamers bisher übliche, dass Spiegel heimlich von der Schulmedizin umgebracht wurde, um einen Beweis für die GNM zu vertuschen und außerdem die noch überzeugendere Theorie, dass Spiegel nämlich in Wahrheit noch am Leben sei.

Es ist in diesen Bereichen immer wieder schade, dass man die unfreiwillige Komik derartiger Gestalten immer nur bis zu einem gewissen Grad genießen kann, weil hier nicht „nur“ geistiger Unrat abgesondert wird, sondern Menschenleben gefährdet werden.

Web 3.0

Wann kommt denn endlich Web 3.0?

Muss ich haben!

Will auch mal Erster sein!

Version 2.0 hab ich irgendwie verpasst.

Monstervision

Der Eurovision Song Contest erhitzt die Gemüter, nachdem ausgerechnet die finnischen LORDI mit komfortablem Vorsprung den Sieg davontrugen. Für die einen öffneten sich die Tore zur Unterwelt, andere trauern um Texas Lightning, deren Mittelfeldplatz offenbar wieder mal zeigte, dass Deutschland einfach keiner mag. Insgesamt war das Spektakel aber durchaus interessant und äußerst vielseitig. Den musikalisch anspruchsvollsten Song hörte man ausgerechnet von einer – zugegebenermaßen etwas ungewöhnlichen – Boyband, Cosmos aus Litauen. Das komplett a-cappella vorgetragene Lied mit seinen harmonischen Rückungen, Rhytmuswechseln und dem tollen Satzgesang dürfte einfach etwas zu kompliziert für das „normale“ Publikum gewesen sein. Den absoluten Kontrast dazu boten Lt United, eine All-Star-Band lettischer Rocksänger, die sich per Songtitel bereits vorab als „Winners of Eurovision“ ankündigten, u.a. weil sie den Da Vinci Code des Contest geknackt hätten. Definitiv die witzigste und coolste Performance des Abends inklusive einer durchgeknallten Tanzeinlage während des Violinensolos. Der emotional anrührendste Song stammte aus Bosnien-Herzegowina, eine schön instrumentierte folkige Ballade die immer knapp vor der Kitschgrenze halt machte. Ebenso nett war Christine Guldbrandsen aus Norwegen, deren “Elfentanz” sehr an Loreena McKennitt erinnerte.

Abgerundet wurde das Ganze mit Gospel aus Israel, Rap aus England, einem tollen Sänger aus Rumänien, der leider eine ihn völlig unterfordernde Disconummer singen musste und den inzwischen altbekannten Folktanzeinlagen aus anderen östlichen Ländern. Dass ausgerechnet die Erfinder des Chanson eine nicht völlig professionell wirkende und singende französische Friseurin ins Rennen schickten, um den eigentlich ganz passablen Titel darzubieten, war bedauerlich, weniger, dass das Honigkuchenpferd aus Malta nur einen Punkt erhielt. LORDI waren zwar durchaus Überraschungssieger – sehr originell sind eigentlich weder Songs noch Image der Finnen – aber erhielten aus nahezu allen Ecken Punkte und lagen deswegen zu Recht vorn (und bestätigten natürlich, dass es mit dem Abendland rapide bergab geht). Zum Glück, da sonst womöglich noch der Teeniestar aus Russland gewonnen hätte, der seine Punkte pflichtgemäß von allen Ländern erhielt, die von Putins Öllieferungen abhängig sind.

Die üblichen Hinweise, dass sich bestimmte Länder immer gegenseitig die Punkte zuschieben, durften daher auch bei der anschließenden Diskussionsrunde nicht fehlen. Natürlich vor allem deswegen gingen die im Felde unbesiegten Deutschen zum wiederholten Male leer aus, besonders, weil uns nun auch beim Grand Prix die Italiener und Österreicher erneut feige im Stich ließen. Die Expertenriege aus echten Schwulen (Thomas Hermanns, Georg Ücker), so aussehenden (Thomas Anders) und der auf allen Gebieten, zu denen sie sich äußert – ungefähr deckungsgleich mit denen, wo sie nicht durch Ahnung behindert wird – , das Wort Penetranz neu definierenden Claudia Roth war sich auf jeden Fall darin einig, dass Jane von Texas Lightning ganz toll gesungen hatte. Es ist aber auch eine furchtbare Gemeinheit, dass sich Serben, Kroaten und Bosnier gegenseitig unterstützen als sich, wie es sich gehört, durch Hecken Headshots zu verpassen und gefälligst an uns Punkte abzuliefern. Auch die Polen sollten sich langsam am Riemen reißen, schließlich waren die Russen genauso selten nett zu ihnen, dafür gibt man keine Höchstpunktzahl und wundert sich dann, wenn man in Deutschland als Nation von Dieben verschrieen ist. Wenigstens für uns Männer hatte das Lob von Claudia Roth an die großartigen Frauen des Contest eine schöne Seite. Kürzeste Rücke, Atombusen und junggespritzte 50jährige sind nun der Inbegriff der Emanzipation und damit kann man ja nun durchaus leben.

Die abschließende Preisverleihung war auf jeden Fall an Komik kaum zu überbieten, als die doch etwas geschockte Moderatorin Küßchen mit den Herren in Monstermasken auszutauschen versuchte und der Sänger von LORDI in Jubelpose gleichzeitig die Streitaxt und einen Blumenstrauß in den griechischen Nachthimmel (ok, die Hallendecke, aber das klingt zu unpoetisch) reckte.

Malcolm in the Middle

Am letzten Woche zeigte Fox die letzte Folge der siebten Staffel und damit das Finale der Serie um die einzig wahren Nachfolgefamilie der Bundys. An nachlassender Qualität der Drehbücher können die gesunkenen Zuschauerzahlen allerdings kaum gelegen haben, denn bis zuletzt gab es genügend irrwitzige Handlungsstränge und komische Dialoge. Mein Favorit aus der letzten Ausgabe:

“Dolphins are gay!”
“But dolphins can kill sharks!!”
“Gay men can kill sharks, but they´re still gay!!!”

Spielereviews

Aus lauter … äh …, nennen wir es Ehrfurcht, möchte ich auf zwei grundverschiedene aber dennoch sehr gute Spielereviews verweisen.

Zum einen auf den ultimativen Final Shooter Review von SpielerEins. Sehr genial und verdammt nah an der Realität. Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich tippen, dass SpielerEins bei einem Printmag arbeitet und hier Interna herausgibt.

Der andere Test auf den ich verweisen möchte, ist der sehr gute Guild Wars Review auf YiYa. Nicht nur, dass der Review vom yablonischen Co-Weblogautor stammt und somit per se lesenwert ist ;), sondern auch mit ca. 9 (in Worten neun) Seiten (Schreibmaschinenseiten) die Menge an Informationen enthält, die Guild Wars, das Spiel dem ich derzeit fast meine gesamte Freizeit widme, gerecht wird.

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