Annalen 1471

(Fol. 10b)

1471

Ist das Bergwerk uff dem Schneberg erstlich angegangen in den fasthen.

(Fol. 11a)

1471

Georsig Hereticus, ein ketzer der Böhem mit sampt Joann Rockenzan hat sein leben geendet. Und im ebenen Jare ist der Hochgeborn Fürst Albertus eingezogen.

(Randbemerkung: Etzliche awer wollen 1472)

Am doomsten

Mounty hat zwar schon das Wichtigste gesagt, dennoch schreib ich ein paar Zeilen zu dem von Bernd Graff verfassten Artikel über Doom3 in der Süddeutschen Zeitung, da er mir auch aufgefallen ist.

So richtig weiss ich ja nicht, wo genau ich den genannten Artikel einordnen soll; Schubladendenken hin, Schubladenken her. Eine Polemik ist es nicht wirklich, obwohl der Eindruck wegen fehlender oder »verschwurbelter« Argumentation durchaus entstehen kann. Eine wirkliche fundierte Auseinandersetzung mit dem Thema medialer Wirkung ist es aber auch nicht. Aus selbigem Grund. Sehen wir es als subjektive und leicht konfuse Betrachtung von Doom3 mit verfehlter Wirkung an. Warum verfehlte Wirkung, will ich im folgenden erklären.

Um die semantische Differenzierung der ersten beiden Absätze fortzusetzen, konstatiere ich folgendes: Widerwärtigkeit ist – wie auch Ekel – anerzogen. Wann etwas widerwärtig ist, das entscheidet der Einzelne. Manch einer findet das Verspeisen von Würmern und Insekten widerwärtig, andere leben davon. Folglich ist dieses Spiel nicht für jeden widerwärtig oder zumindest nicht so widerwärtig, dass es deshalb brutal ist. Nicht leugnen kann man allerdings, dass in diesem Spiel brutale Szenen gezeigt werden. So ist der anfangs negierte Umkehrschluss wohl doch richtig: Das Spiel ist (für manch einen) widerwärtig, weil es brutal ist.

Der folgende Schwenk des Autors hin auf die Gewalt im Plot und vor allem auf das Thema einer bewusst vom Spieler vollzogenen Tötung war so vorhersehbar wie es das Spiel nach der ersten halben Stunde wurde. Die nachstehenden Abqualifizierungen der sogenannten »Beschwichtigungsversuche für solche Spiele« werden nur erwähnt und abgetan ohne sich damit auch nur näher zu befassen oder gar zu erläutern.

Besonders bei Netzwerkspielen heißt es dann, dass es gar nicht ums Töten gehe, sondern um den praktizierten Teamgeist. Fast schon obszön: Man meldet gleich Kunstanspruch für solche Spiele an und zitiert etwa Hieronymus Boschs Phantasmagorien oder den obskuren Realismus von David Lynch oder Tarantino, um das digitale Killen auf ein weithin akzeptiertes Werk-Niveau zu hieven.

Der erste Satz dieses Absatzes ist besonders erschreckend. Impliziert er doch in seine Aussage, dass es für den Autor bei Netzwerkspielen doch wirklich nur ums Töten gehe und nicht um einen praktizierten Teamgeist. Wer so etwas schreibt, hat noch nie an einer LAN teilgenommen und disqualifiziert sich überhaupt etwas über Netzwerkspiele schreiben zu dürfen. Jeder setzt seine Prioritäten anders. Aber die Hauptgründe für eine Netzwerksession sind wahrscheinlich folgende: Ein Treffen und vor allem ein Kennenlernen der Leute, von denen man nur deren Avatar (oder Spielfigur) und evtl. noch die Stimme kennt, das Messen (nicht Messern) mit anderen Spielern, gemeinsames Chilli-Essen, Jugendherberge-Feeling und Tausch von Pornos;-).
Und ebenso sind Spiele durchaus mit anderen medialen Werken vergleichbar. Ob es sich bei den zitierten Werken aber auch wirklich jeweils um Kunst handeln muss, liegt im Auge des Betrachters.

Der vermeintliche Zweck der folgenden Zitation der Spieler aus einem nicht näher genannten Spieleforum geht jedoch am Ziel vorbei. Die Zitate belegen doch eindeutig: Es geht nicht mehr um das aktive Töten – das »Killen«:


›Richtig schlecht ist mir geworden bei der Szene, in der man in einen Raum kommt und da so’n Typ an der Decke hängt (am ganzen Körper durchbohrt)! Und das grausamste war, dass der arme Hund noch geröchelt und gequiekt hat.‹

›Habe gerade wieder aufgehört, weil ich mich nicht weiter traute.‹

›Das ganze Spiel ist ein Schreck an sich. Ich zocke nur ein paar Minuten, dann brauche ich ‘ne Pause, um meine Nerven zu erholen. Ich habe keinen Bock mehr. Der Stress wird einfach zuviel. Und Leute, ich bin schon über 30.‹

›das gefühl der hilflosigkeit und der unterlegenheit…ist das, was das spiel ausmacht.‹

Wie beschrieben geht es um die Affekte Furcht, Grusel, Mitleid, Hilflosigkeit und in keinster Weise um das »Killen« – und schon gar nicht von (Pixel-)Menschen. Diese Gefühle sind unter anderem Audruck eines medialen Stilmittels, welches man neudeutsch auch unter dem Namen »suspense« kennt. In fast jedem Hitchcock-Thriller findet man dieses mediale Mittel um Spannung und Grusel zu erzeugen. Geht man von der aristotelischen wirkungsästhetischen Theorie der Katharsis aus, tragen die erregten Affekte Furcht und Mitleid zur Reinigung bei, sprich zur Mäßigung von Gefühlszuständen, wie Affekte und Triebe.

Die Zitation der Spieler greift nicht bzw. wird dem vermuteten Ansinnen des Autors, nicht wirklich gerecht. Der letzte Versuch des Autors das Spiel zu verteufeln zielt auf die allgemeine Wirkung der Medien bzw. Spiele auf ihr Publikum. Eine Studie des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung wird erwähnt. Jedoch werden Titel und Fazit als »verschwurbelt« abgetan. Was daran allerdings »verschwurbelt« sein soll, erschließt sich dem der deutschen Sprache mächtigen nicht.


Titel:›Funktion der Inhalte von Computerspielen für ComputerspielerInnen‹

Das Fazit ist, dass


›von generellen Aussagen oder Wirkungsvermutungen in Hinblick auf Computerspiele nicht mehr ausgegangen werden kann.

Es ist vielmehr so, dass die Bedeutung der Inhalte für die Computerspieler sowohl von den Spielern selbst, als auch von den Spielen und dem Wechselverhältnis zwischen Spiel und Spielern abhängt.‹

Auch wenn der Autor es vermutlich gern anders hätte. Die Aussage der Studie ist klar und sie kommt zu dem eindeutigen Schluss, dass eine Medienwirkung nicht monokausal ist und von der Reziprozität des Konsumenten und des Produktes abhängt. Oder einfach: Die Wirkung ist von Person zu Person unterschiedlich.
Wenn man die speziell zu betrachtende Wirkung von Medien auf Kinder und Heranwachsende außen vor läßt, ist bei einem Wirkungsmodell die Fähigkeit zur Differenzierung von realer und virtueller Welt entscheidend.

Annalen 1470

(Fol. 10a)

1470

Ist verloren wurden durch die Hereskraft di Schwarzenburg.

(Fol. 10b)

1470

Ist erkundet den von Paris erstlich di künstlich arth der Druckerei, welche zuvor vor zwhen Jaren ist erfunden wurden ires erstlichen ankummens zu Mentz.

1470

Hat gefurth sein leben Bruder Clawes anfentlich in der wustenei im land zu Czveitzen.

Doom und dümmer

Der aktuelle SZ-Artikel über Doom3 erinnert irgendwie frappierend an die Diskussionen um die zweifelhaft bis lächerlichen Begründungen des Irak-Krieges vor seinem Beginn bis heute. Deren zweifellos auf die Dauer ermüdendes Herbeten wird von vielen Verteidigern in der Regel mit “Aber,aber,aber….Saddam war böse!” gekontert, einer so richtigen wie für die Diskussion der anderen Zusammenhänge nicht hinreichenden Feststellung. Kontextualisierung, Beschäftigung mit Gegenargumenten oder Unsicherheiten sind auch für SZ-Redakteur Bernd Graff offensichtlich nicht notwendig, denn “Aber,aber,aber…das ist alles so blutig!”. Die gesamte Argumentation reduziert sich auf den wiederholten Verweis auf die Brutalität des in Doom 3 dargestellen Szenarios, wobei, nüchtern betrachtet, gerade die völlig überzogene Menge an Blut und Gore-Anteilen comichaft verzerrend wirkt und vor allem gerade NICHT realistisch ist.

Eine diffenzierte wissenschaftliche Feststellung, die klarstellt, dass einfache Wirkzusammenhänge (virtuelle Gewalt erzeugt reale Gewalt) nicht belegbar sind, wird zwar erwähnt, aber als “verschwurbelt” abqualifiziert. Alles viel zu kompliziert, wo man doch genau sieht, was in dem Spiel geschieht! Die implizite Absicht ist, das wirklich Offensichtliche mit einer gedachten automatischen Wirkung oder Folge zu verbinden. So funktioniert auch der Verweis auf andere menschliche Hautfarben, die sich doch so deutlich sichtbar von der unsrigen unterscheiden und den gedanklichen Schritt, dass es dann doch bestimmt noch mehr Unterschiede gibt, ebenfalls implizieren. Das erinnert mich an meinen Mathematiklehrer, der augenzwinkernd darauf verwies, dass nicht wirklich belegbare Voraussetzungen oder Zusammenhänge von den Wissenschaftlern zur Diskussionsprävention meist mit dem Satzanfang “Wie man leicht sieht, ist…” vorgetragen werden.

Neben einigen sachlichen Fehlern (die aktuellen Verkaufscharts zeigen durchaus keine Dominanz von Ego-Shootern und Kriegssimulationen ist ein Nullbegriff unter dem eben auch Schach rubrizieren kann) fällt wie meistens auch auf, dass der “Sinn” von Doom 3 mangels Hintergrundwissen verborgen bleiben musste. Man sollte es IMO in erster Linie als eine als Hommage zu verstehende Grafikdemo sehen, die für viele Erinnerungen an die “Jugend” mit Doom 1 und Doom 2 hervorruft, den für heutige Verhältnisse unglaublich mies aussehenden Vorgängern, die neben vielen Schrecksekunden auch die ersten Netzwerksessions initiierten und eben als wirkliche Klassiker einzustufen sind. Ganz zu schweigen davon, dass offensichtlich 99,99% derer, die diese Klassiker exzessiv konsumierten, diesen Einfluss viele Jahre ohne Langzeitschäden oder Massenmorde überstanden zu haben scheinen. Es ist abgesehen von seiner Grafik kein besonders herausragendes Spiel, weder typisch noch stilprägend für das Genre und auch die Wirkung der Erschreckens lässt irgendwann nach, weil sie zu leicht vorhersehbar wird. Aber das würde man natürlich erst merken, wenn man tatsächlich selbst längere Zeit spielt und nicht nur seinem Sohn 20 Minuten über die Schulter schaut um danach gleich einen Artikel zu verfassen.

Annalen 1467

(Fol. 10a)

1467

Ist von der Römischen Kirchen gelegt wurden Interdict im ganzen Böhemer Lande, und von wegen Christliches glaubens zuvorschutzen sein Creuze von bebistlicher heilichkeit angegeben, uff das sie umb Christliches glaubens umbquemen, iren lon gewiß bei got erbarthent.

Annalen 1465

(Fol. 9b)

1465

Ist Plauen wi auch oben berurt, von den Fürsten von Sachsen zustört wurden.

1465

Ist gewest ein gemeine pestilenz, in vilen Lantschaften, ader örthen; und in disem Jar ist auch die Neumburg fast gar in feuers nöten verdorben.

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