Wie Herr Pfeiffer fast einen Amoklauf verhindert hätte

Stellen wir uns folgendes Szenario vor: Thomas Gottschalk würde während seiner Sendung Amok laufen und Prominente wie Wettkönige reihenweise erschießen. Am nächsten Tag gäbe es Fernsehsendungen, Artikel und Experteninterviews, die sich anläßlich dieser Tat mit der kriminalitätsfördernden Kultur von Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigen. Wem das leicht unlogisch vorkommen sollte, kann sich durch einige der medialen Folgen der schrecklichen Tragödie von Blacksburg eines Besseren belehren lassen.

Gestern abend betitelte n-tv seine Talksendung mit “Amoklauf in Virginia: Jugendkultur der Gewalt?” und heute konnte die Passauer Neue Presse niemand anderen als Prof. Pfeiffer zu einem Interview bewegen, der sich über die Wild-West-Manieren der Amerikaner und natürlich die gräßlichen Auswirkungen der Computerspiele ausließ. Schwankend zwischen Faszination und Verblüffung kann man erleben, dass bestimmte, seit Jahren eingeübte Rituale der Schuldzuweisung inzwischen völlig automatisch und ohne dass sie irgendeinen Bezug zu den bisher bekannten Fakten und Hintergründen der Tat haben, ablaufen.

Bei Herrn Pfeiffer kann man inzwischen regelmäßig beobachten, dass sich seine Aussagen widersprechen oder sie komplett realitätsfern sind. Schon in einem Interview direkt nach dem School-Shooting von Emsdetten behauptete er:

Überhaupt keine Frage, dass er durch intensives Computerspielen in seinen Schulleistungen immer schlechter wurde, bis hin zum Sitzenbleiben…Jedenfalls hat er sich dann aus dieser Niederlage, aus seinem Außenseiterdasein heraus völlig hinein begeben in diese Welt der Computerspiele und ist dort untergetaucht. Das bis zu einem Grad, dass er gar nicht mehr so richtig unterschieden hat zwischen Pixelwelt und realem Leben.

Es sei angemerkt, dass das Interview 2 (max. 3) Tage nach der Tat geführt wurde, es ist völlig unmöglich, dass Pfeiffer zu diesem Zeitpunkt schon Informationen hatte, die eine solche kategorische Feststellung (“überhaupt keine Frage”) erlaubt hätten. Der Täter ist in der 7. und 8. Klasse sitzengeblieben, ob er zu dieser Zeit überhaupt schon einen PC oder eine Videokonsole hatte, ist unbekannt und erst recht, welchen Einfluss sie hatten. Pfeiffer ging aber noch einen Schritt weiter:

hätte er die Computerspiele nicht gehabt …wäre er mit Sicherheit kein Amokläufer geworden.

Mit Sicherheit? Kein Psychologe oder Wissenschaftler, der im Ansatz objektiv arbeiten wollte, würde eine solche Aussage tätigen. Da der Täter dazu nichts mehr aussagen kann, lässt sich hier sowieso nichts widerlegen. Aber mit einem beeindruckenden logischen Salto rettet sich der Interviewte:

...genauso wie meine ganze Antwort jetzt selbstverständlich hypothetischen Charakter hat.

Man versteht nun auch, warum Prof. Pfeiffer offenbar Deutschlands einzigster oder wenigstens größter Kriminologe ist: er kann Aussagen treffen, die absolut sicher und gleichzeitig rein hypothetisch sind. Das schafft zweifellos nicht jeder.

Nahezu identische Aussagen finden sich im oben verlinkten aktuellen Interview und sie sind auch wieder recht widersprüchlich.

Die Polizei hat komplett falsch reagiert und sträflich versagt. Das muss aufgeklärt werden. Ich rechne mit einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Bundesstaat Virginia. Er muss klären, warum weitere Menschen sterben mussten, die man hätte retten können, wenn man nach den ersten Schüssen konsequent nach dem Täter gesucht hätte

Die dummen schießwütigen Amis brauchen natürlich einen Untersuchungsausschuss, um herauszufinden, was unser Genius bereits jetzt weiß: die Polizei hat völlig versagt. Die ihr vorliegenden Hinweise deuteten auf ein Beziehungsdrama und es gab auch bereits einen ersten Tatverdächtigen, der festgenommen und verhört wurde. Hätten sie doch lieber mal in Niedersachsen angerufen, Herr Pfeifer hätte ihnen auf der Stelle sagen können, dass sie den Falschen erwischt hatten und eine blinde Attacke auf die Studenten die logische Folge dieser Indizien sein MUSSTE.

Das Interview suggeriert, dass Pfeiffer es inzwischen gar nicht mehr nötig hat, sich Informationen zum jeweiligen Fall zu besorgen oder sich bei fehlenden Informationen evtl. etwas vorsichtiger zu äußern. Stattdessen wird immer nur dieselbe Schauermär der Desensibilisierung durch Computerspiele wiederholt, die für ihn conditio sine qua non eines School Shootings ist. Auch wenn die bisher bekanntgewordenen Details zum Täter (und jetzt kommen wir wieder zu Thomas Gottschalk) keinerlei Hinweise auf die Nutzung von Gewaltmedien beinhalten und der Täter seine Schule nicht mit einem Leveleditor nachbaute, sondern vielmehr blutrünstige Theaterstücke schrieb, wen kümmert´s schon, wen man sich einmal auf einen Sündenbock festgelegt hat. Dass der Täter schon früher durch Belästigungen aufgefallen war, in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen und wohl auch diesbezüglich medikamentös behandelt wurde, ist irrelevant. Ebenso wie sein derart extremes Außenseitertum, das bislang jegliche Verbindung zu irgendeiner Form von “Jugendkultur” unmöglich gemacht hat.

Ob dem Experten jemand gepfiffen hat, dass es sich beim Täter um einen Südkoreaner handelte, der sich mit Greencard in den USA aufhielt? Was soll´s, auch ihn und seine Familie kann man ohne Probleme in die Tradition des Wilden Westens einordnen. Mir scheint, dass jede Jahrmarktastrologin ihre Einschätzung des Falles auf mehr Faktenkenntnis basieren würde als ein ausgewiesener Kriminologe…

Es mag vielleicht taktlos erscheinen, angesichts eines derartigen Verbrechens nun gleich wieder mit den Killerspiel-Diskussion anzufangen, aber ich halte diese Debatten, die nicht selten gewürzt sind mit einer satten Portion Überheblichkeit, für wesentlich schlimmer.

Compiz + Beryl = Coral

Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern:
In den Beiträgen des Compiz-Forums und der Beryl-Mailing-List wird die erneute Zusammenarbeit von Beryl und Compiz diskutiert. Der neue Name für das Projekt könnte Coral sein.

Find ich gut den Schritt. Nach dem Fork hat man jetzt doch bemerkt, dass beide wohl auf derselben Basis stehen. Quinn Storm behält sich für Beryl jedoch das Recht vor, zu “re-forken”, wenn die Zusammenarbeit nicht funtkioniert:

It is indeed a concern that we might lose our freedom in a ‘merge’, but I have been convinced that it isn’t a major concern (and of course we reserve the right to re-fork).

(via: linux.com)

Welt Online

Die Welt hat nun ja irgendwie ein neues Gesicht bekommen.
Ich les’ die ja sonst recht selten, gehört ja nicht unbedingt zum Lieblingspublikationen.
Aber wer bitteschön soll mit neuen webzwonulligen Version etwas anfangen?
Wer kann so eine Seite benutzen?

Ich kann ja nicht einmal hinschauen.


So gesehen im Konqueror 3.5.5.

Günther Becksteins großer Tag

Heute berät der Bundesrat über den “Killerspiel”-Gesetzentwurf Bayerns. Der Begriff “Killerspiel” scheint inzwischen trotz der Tatsache, dass er gemessen am Inhalt der Spiele unzutreffend ist, derart objektiviert worden zu sein, dass er als offizielle Genrebezeichnung auftritt. Dies ist eine logische Folge der von den Kritikern verfolgten Strategie, diese Spiele und Filme als erstes moralisch-ethisch zu diskreditieren. Jeder prominente Gegner macht dies in nahezu jedem Statement klar; es handelt sich um Dreck und Schmutz, eine Gesellschaft, die dies nicht verbietet, ist “krank”. Die Gefährlichkeit wird auf diese Art und Weise bereits vor jeglicher Präsentation wissenschaftlicher Daten “nachgewiesen” und daher genügt es, wenn Täter derartige Medien besaßen, um diese als Ursache zu identifizieren. Dass die entsprechenden Studien wesentlich komplexere und auch widersprüchliche Ergebnisse vorweisen, die im Übrigen nie kriminelle Gewaltausübung untersucht haben (genau diese steht aber im Zentrum der Debatten), kann man hierbei dann ignorieren.

Psychologisch ist dies so geschickt und öffentlichkeitswirksam, dass selbst Verteidiger es groteskerweise anerkennen. So hat der Deutsche Kulturrat zwar dankenswerterweise Videospiele verbal unter den Schutz der Kunstfreiheit gestellt, gleichzeitig aber auch deutlich gemacht, dass es sich hier um Geschmacklosigkeiten und Schund minderer Qualität handele.

Aber das nur am Rande, ich möchte die prinzipiellen Argumentationsmuster in einer längeren Abhandlung demnächst gesondert untersuchen. Eigentlich geht es hier nur um folgende Äußerung von G. Beckstein, welche die Gefährlichkeit der Computerspiele belegen soll und gleichzeitig ein generelles Verbot als einzigen Ausweg anpreist:

Allerdings sehe ich in der Kriminalstatistik, dass die häufigste Problematik bei 18- bis 25-Jährigen liegt, und da hilft mir der Jugendschutz nichts. Da brauche ich ein Verbot.

Auch hier ist die Frage, inwieweit Medien an den kriminellen Handlungen ursächlich beteiligt sind, bereits positiv beantwortet. Die Behauptung ist aber vor allem aus einem anderen Grund irreführend, um nicht zu sagen verlogen: dass Menschen (v.a. Männer) in dieser Altergruppe besonders häufig straffällig sind, ist ein historisch und kulturell universelles Phänomen, seit es Kriminalstatistiken gibt (Zweiter Periodischer Sicherheitsbericht der Bundesregierung, Langfassung, S. 357)!
Diese Häufung der Delinquienz im fraglichen Alter existiert also seit mindestens 100 Jahren und zwar global. Beckstein schießt sich mit dem Verweis auf diese statistischen Daten also geradezu vorbildlich selbst ins Bein (Disclaimer für die BPjS: aus diesem würde natürlich, wenn überhaupt, nur grünes Blut fließen): wenn diese Häufung schon lange vor der Existenz der fraglichen Medien existierte, muss sie mit ziemlicher Sicherheit andere Gründe haben.

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