Hire or Fire Update

Ich hätte ja nicht damit gerechnet, dass meine Kritik derart schnell Wirkung zeigen würde, aber nur wenige Stunden nach der Publikation wurde die Sendung erwartungsgemäß eingestellt.
Die offizielle Begründung verweist zwar auf miese Quoten, aber alle Leser dieses Blogs kennen die wahren Hintergründe. :)
Mal schauen, ob es auch beim Musikantenstadl wirkt…immerhin konnte man da zuletzt die DJ Ötzi-Version (ist wirklich nur Zufall, dass der nun zweimal hintereinander auftaucht!) des “Holzmichl”-Liedes vernehmen. Und irgendwo muss auch der Thrash mal eine Grenze haben.

Hire or Fire

John de Mol sucht für seine TV-Firma einen Creative Director. Nach so vielen Jahren im Geschäft kommt das nun doch reichlich spät, möchte man meinen. Soll das etwa heißen, die Zukunft von endemol bestünde nicht mehr im Recyclen von im Ausland entdeckten Formaten für den deutschen Markt und der damit verbundenen Etablierung diverser intellektueller Wracks als Pseudostars? Wäre das -natürlich ebenfalls importierte- Hire or Fire also eine Art Fanal, nach dem plötzlich die Kreativität im deutschen TV-Business ausbrechen würde? Diese Gefahr besteht wahrscheinlich kaum, wenn die angeblich aus Tausenden ausgewählten 10 Kandidaten tatsächlich die Besten auf ihrem Gebiet sein sollen. Vielmehr handelt es sich um eine Art Yuppie-Big-Brother, stilecht im Loft stattfindend und mit den üblichen Zutaten versehen. Mehr als Kompetenz zählt, dass die Kandidaten gegensätzliche Charaktere darstellen (sollen), um so Konflikte zu forcieren, die natürlich durch die bei der Vergabe des besten Jobs der Welt (bei 300 000 Euro Jahresverdienst mit Dienstwagen und Assistent durch die Gegend kutschieren, während im Keller 20 Soziologie-Studenten mit geröteten Augen ausländische Sender nach verwertbarem Material durchforsten) notwendigen "Challenges" sowieso entstehen sollen.

Die wichtigste Gemeinsamkeit aller Teilnehmer besteht darin, dass sie bei jedem zweiten Satz betonen müssen, sie wären die perfekte Wahl für diesen Posten. Ansonsten trifft der nette farbige Quoten-Ossi auf den Sprößling der Volksmusik-Terroristen Judith und Mel, die alle Kunden ukrainischer Mädchenhändlerringe optisch sicher befriedigende Osteuropäerin und den sich als besonders arrogantes Arschloch zu verkaufen suchenden Glatzkopf. Der rassige Italiener und die den IQ einer Scheibe Gouda kaum erreichende, aber in einem kurzen Abendkleid sicher lecker aussehende Landsmännin von DJ-Ötzi runden mit einer sich als kamerageile Bilderbuch-Zicke gebärdenden Blondine das Bild der sich natürlich allein durch ihre überragenden Fähigkeiten Qualifizierten stilecht ab.

Grundvoraussetzung für die Einstellung bei endemol ist offenbar, dass man nicht schlauer als der mit einem holländischen Realschulabschluss gesegnete Chef und auch nicht wesentlich witziger sein darf. Das sind natürlich für einen Großteil der Bewerber nur schwer zu nehmende Hürden. Es könnte ja unter ihnen jemand sein, der nicht die ewige Variation des BB-Konzeptes als einzig akzeptables Showformat ansieht. Oder gar auf reißerische Erzeugung von Emotionen inklusive Closeups auf die Gesichter der gleich von der Jury kritisierten Teilnehmer und die Inszenierung des Abgangs durch wimmernde Geigen, die dem Ganzen einen Hauch Tragik verleihen und kaschieren sollen, dass der Betreffende eher froh sein sollte, diesem Schwachsinn entkommen zu sein, verzichten wollte. Apropos Jury, auch hier macht sich natürlich geballte Kompetenz breit. Wer sollte über die Zukunft der TV-Unterhaltung auch besser befinden können als der Manager von Verona Feldbusch und das Dschungelfossil Caroline Beil, die immerhin im Gegensatz zu ihren beiden Kollegen mehrere deutsche Sätze hintereinander unfallfrei fomulieren kann. So sieht also eine Schnellschuss-Eindeutschung der in Amerika sehr erfolgreichen Show "The Apprentice" aus, bei der Donald Trump ebenfalls diverse Bewerber auf Tauglichkeit (wofür auch immer) testete. Bevor bei RTL die offizielle Version mit Reiner Calmund anläuft, musste daher Pro7 fix einige Wochen vorher die Kopie der Kopie auf die Bildschirme bringen. Der Traumjob des Creative Director erschöpft sich demnach offenbar darin, schneller als die Konkurrenz ein nachgemachtes Konzept auf noch niedrigerem Niveau und mit schlechteren Knallchargen besetzt auf die TV-Zuschauer loszulassen.

Annalen 1458

(Fol. 8a)

1458, wiwol Etzliche 1457.

Ist der König Latislaus beider Landen Ungern und Böhemen durch eigene, aber vngetreue rethe unschuldiglich ermordet.
Clementis festo veneno cecidit Laslo.


1548

Ist ausgebrannt die Jüdengasse und schergasse den nesten Freitag nach dem Ostertag.

(nester Freitag nach dem Ostertag = 7.April)

Archivgebühren II

Bezugnehmend auf den Eintrag über Archivgebühren

Es ist wohl so, dass es sich bei den hohen Archivgebühren um ein allgemeines (Finanz-) Problem handelt. Allerdings ist mir schleierhaft, was man mit derartig hohen Gebühren bezwecken will. Das Beispiel am Zwickauer Stadtarchiv könnte jetzt den Anschein erwecken, dass es sich dabei um ein irgendwie besonders abschreckendes Beispiel handelt. Doch das ist weit gefehlt. Bei dem dreibeinigen Spagat zwischen wissenschaftlicher Forschung, Kulturgutbewahrer und Kämmerei den Archive vollbringen müssen, liegt das Stadtarchiv Zwickau mit seinen Gebühren noch an der Untergrenze der Archivgebühren. Zum Vergleich verweise ich nur auf die Sächsische Archivgebührenverordnung, die für alle sächsischen Staatsarchive gilt. Der Preis für ein einfaches Schwarzweiss-Foto wäre da mit 4,60 Euro schon mehr als viermal so teuer wie in Zwickau. Ebenso stellt sich die Frage nach der fachlichen Beratung, die in den großen Archiven wegen der Benutzerdichte zwar wohl durchaus kompetent, aber wahrscheinlich nicht in so persönlicher Form vonstatten gehen kann, wie z.B. im Zwickauer Stadtarchiv oder in anderen Kommunalarchiven.

Der Untergang Part 1

Obwohl ich den im Moment feuilletonistisch heiß diskutierten Film über die letzten Tage im Führerbunker noch nicht sehen konnte (evtl. morgen), erlauben ja bereits diese Debatten selbst einige interessante Einblicke in die aktuellen Betrachtungsweisen des Dritten Reiches und natürlich der Person Hitler. Er wird uns hier also "erstmals" als Mensch dargestellt und offenbar brauchte man 60 Jahre für diese biologische Klassifizierung. Prinzipiell fallen zwei verschiedene Ansätze auf, die von Kritikern und Befürwortern verwendet werden, ein realistischer und ein volkspädagogischer. Zweifellos ist es falsch und unsinnig, in Hitler eine Art übernatürlichen Superbösewicht zu sehen, der in jeder Lebenssituation nur Angst und Schrecken verbreitete und auf den man alle nur denkbaren schlechten Eigenschaften projiziert. Das führt nur dazu, diese Zusammenhänge weiter von uns selbst wegzuschieben und zu leugnen, dass eben auch seine (und seiner Anhänger/Vollstrecker) Verbrechen trotz ihrer Ausmaße mögliche Varianten menschlichen Verhaltens sind, was ja nichts entschuldigen, sondern vielmehr zeigen sollte, dass Massenmord, ideologische Verblendung, Krieg usw. nicht mit Hitler entstanden und noch weniger gestorben sind. Die andere Seite wird wohl eher von der Skepsis gegenüber der Fähigkeit zu differenziertem Denken angetrieben. Die Erfahrung eines Hitler, der sich gegenüber seinen Sekretärinnen wie ein gütiger Opi gibt oder der auch charmant und witzig sein kann, würde demnach evtl. zu der Überlegung führen, dass dieselbe Person doch nicht die industrielle Ermordung von Millionen Juden, einen Weltkrieg mit riesigen Verlusten an Menschenleben und Werten wesentlich "inspiriert" bzw. mit zu verantworten haben kann. Obwohl ich mich eigentlich eher zur realistischen Seite zählen würde, fürchte ich trotzdem, dass diese Zweifel am menschlichen Urteilsvermögen und dessen Objektivität alles andere als unberechtigt sind.

Einige kleinere historische Sensationen scheint der Film auf jeden Fall zu enthalten, erfuhr ich doch letzte Woche in der FR, dass Hitlers Schäferhund Blondie tatsächlich Selbstmord begangen hat! Ich bin schon sehr gespannt, wie genau das im Film aufgelöst wird, ein Sprung aus dem Fenster lässt sich angesichts der Lokalität wohl schon mal ausschließen.

ACHTUNG...

...DIESES WEBLOG WURDE SOEBEN GEKIDNAPPED!!

Okok, eine zugegebenermaßen billige Methode, um Aufmerksamkeit zu erlangen, keine Frage. Die Überschrift stimmt auch nicht so ganz, aber ich möchte zumindest meinen ersten Eintrag zünftig beginnen, nachdem mir Trencavel freundlicherweise die Möglichkeit eröffnet hat, hier nun auch endlich der Welt meine überaus wertvollen Gedanken und Einschätzungen mitzuteilen. Wir kennen uns fast seit Beginn unseres Studiums (die genaue Jahreszahl wird geheimgehalten, solange wir nicht BEIDE offiziell einen Abschluss haben) und unsere Interessen wie Studienfächer überschneiden sich in einigen Bereichen, wobei mein Schwerpunkt eher die Neuere Geschichte war (ich BIN nämlich schon fertig :)) und ist.

Einen Kommentar zur Wahl in Sachsen spare ich mir heute mal noch und begnüge mich mit dem gerade erlangten Wissen, dass “Mein peinlicher fetter Verlobter” (oder so) NICHT die neue Serie mit Ottfried Fischer ist.

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